Pflanzenwissen

Eicheln: Giftig oder doch essbar?

Bei vielen Wildtieren stehen Eicheln auf dem Speiseplan. Auch Menschen haben seinerzeit aus den Nüssen Eichel-Kaffee und Brot hergestellt. Doch sind sie nach dem Sammeln tatsächlich essbar oder ist was an dem Gerücht dran, sie seien giftig? Wir haben die Antwort darauf.

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Gesammelte reife Eicheln
Bevor Eicheln genießbar sind, müssen die Nüsse entsprechend bearbeitet werden
Inhaltsverzeichnis

Was sind Eicheln?

In Deutschland gibt es zwei beheimatete Eichenbaumarten: die Stieleiche (Quercus robur) und die Traubeneiche (Quercus petraea). Die Früchte dieser Laubbäume werden Eicheln genannt. Sie wachsen an langen Stielen und reifen nach der Blüte ab etwa Mai in verholzten Fruchtbechern heran. Eichen sind aufgrund ihres starken Wachstums in privaten Gärten kaum noch zu finden. Vereinzelt zieren sie Straßenränder und sind hauptsächlich in Parkanlagen, Wäldern und in ländlichen Regionen weit verbreitet.

Typische Erkennungsmerkmale von Eicheln:

  • Fruchtgröße: circa 3 Zentimeter lang
  • Form: oval, eiförmig
  • Farbe: im frühen Reifestadium grün; später braun
  • Fruchtbecher sitzt am Stiel
  • lösen sich vom Fruchtbecher, wenn Reife erreicht und fallen dann vom Baum ab
  • keimfähige Eicheln an glänzender Schale erkennbar
  • Sammelzeit: ab September bis November; hier liegen sich massenhaft um die Eichenbaumstämme herum

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Sind Eicheln roh essbar?

Rohe und reife Eicheln
Sobald die Nüsse braun geworden und abgefallen sind, können Sie gesammelt werden

Rohe Eicheln beinhalten Tannine, pflanzliche Gerbstoffe, die in zahlreichen Pflanzenarten vorkommen und bei Menschen Vergiftungserscheinungen auslösen können. In den Eicheln sind sie in hoher Konzentration enthalten und werden offiziell als giftig bis stark giftig eingestuft. Bemerkbar macht sich der Tannine-Gehalt beim Probieren durch einen bitteren Geschmack. Je nach eigener Empfindlichkeit reicht bereits ein geringer Gehalt dieser Tannine aus, um Vergiftungsreaktionen des Körpers zu verursachen. Diese erstrecken sich von leichten Symptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Aus diesem Grund sollten gesammelte Eicheln nie roh gegessen und weiterverarbeitet werden.

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Welche Vergiftungserscheinungen können Eicheln hervorrufen?

Grundsätzlich zeigen sich die folgenden Vergiftungserscheinungen je nach Verträglichkeit und verzehrter Menge in unterschiedlicher Stärke. Bei manchen machen sich keiner Symptome bemerkbar, bei anderen sind diese umso stärker.

Zu den möglichen Vergiftungssymptomen zählen:

  • Übelkeit bis zum Erbrechen
  • Durchfall bis blutiger Stuhlgang
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • zunehmender Durst und durch umfangreichere Flüssigkeitsaufnahme entsprechend höherer Harndrang
  • Schleimhautentzündungen in Magen- und Darmbereichen
  • bei hoher Empfindlichkeit oder umfangreichem Rohverzehr Lebernekrose möglich
  • Funktionsstörungen der Nieren, die zum Tode führen können

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Was bedeutet eine erhöhte Empfindlichkeit beim Rohverzehr?

Menschen, deren Abwehrsystem und allgemeine gesundheitliche Konstitution weniger stark ausgeprägt sind, besitzen eine erhöhte Empfindlichkeit und sie daher anfälliger für Giftstoffe und deren Auswirkungen auf den Körper. Während beispielsweise ein gesunder, kräftiger Mann keine oder kaum Reaktionen nach dem Verzehr einer Eichel spürt, reicht bei einem Kleinkind häufig schon das Hineinbeißen mit minimaler Tannine-Aufnahme.

Als besonders risikoreich gilt ein Rohverzehr für folgende Personengruppen:

  • ältere Menschen, da mit zunehmendem Alter die Abwehrkräfte sinken
  • Personen, die Medikamente mit Immunsystem-Schwächung einnehmen, wie beispielsweise Kortison
  • grundsätzlich kranke Personen, ganz gleich, ob akut krank oder mit chronischen Erkrankungen
  • Kinder unter zwölf Jahren, da sie sich im Wachstum befinden und es dadurch zu kurzzeitigen Mangelerscheinungen inklusive Abwehrreduzierung kommen kann
  • insbesondere Babys und Kleinkinder, deren Organsystem noch nicht ausreichend gut entwickelt ist

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Wie giftig sind rohe Eicheln für Haustiere?

Hund frisst Eicheln
Der Verzehr von Eicheln ist für Haustiere lebensbedrohlich

Genau wie für Menschen, sind Eicheln auch für viele Haustiere giftig. Hierbei kommt es auf das Alter, die allgemeine körperliche Verfassung und die Verzehrmenge an Eicheln an. Besonders sehr junge, alte und kranke Tiere sind dabei gefährdet, eine Vergiftung zu erleiden. Prinzipiell spielt zudem das Körpergewicht in Kombination mit der Menge eine Rolle. Bereits zwei Gramm der Gerbsäure lösen beispielsweise bei einem Kaninchen eine lebensbedrohliche Situation aus. Bei einem rund zehn Kilogramm schweren Hund reichen schon fünf bis zehn Eicheln.

Bei vielen Wildtieren, wie zum Beispiel Eichhörnchen, Wildschweinen, Hirschen, Nagetieren, Eichelhähern oder gar Kranichen, gehören Eicheln hingegen zur normalen Nahrung.

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Wie äußern sich Vergiftungserscheinungen?

Bei Tieren sind gleiche Symptome und Vergiftungsfolgen wie bei Menschen möglich. Allerdings enden sie häufiger tödlich, weil viele Tiere unbeobachtet größere Mengen zu sich nehmen können. Menschen schreckt überwiegend der bittere Geschmack ab, während Tiere und insbesondere Hunde, vor allem den Spaß am Knacken der Eichelschalen suchen.

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Vergiftungserscheinungen, können bei Tieren weitere auftreten:

  • Koliken, vorwiegend bei Hunden und Pferden; bei Letzteren ab einer Verzehrmenge zwischen 50 und 300 Gramm
  • Gelbsucht
  • Fieber
  • Verstopfung und Darmverschluss
  • Herzmuskelentzündungen
  • Leberveränderungen
  • Herabsetzung des Immunsystems und dementsprechende Anfälligkeit gegenüber Infektionen
  • Eiweiß- und Zuckerspiegel fällt, was einen komatösen Zustand verursachen kann (vor allem bei Hennen beobachtet)
  • Niereninsuffizienz
  • zusätzlich zu den Vergiftungserscheinungen können Verletzungen durch den scharfkantigen Schalenbruch im Maul und Verdauungstrakt vorkommen

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Wann sind Eicheln für Menschen essbar?

Die giftigen Tannine sind wasserlöslich. Für den unbedenklichen Verzehr müssen sie daher zuvor ausgeschwemmt werden. Wichtig ist, dass Sie ausschließlich reife Eicheln sammeln, denn am höchsten ist der Gehalt an Tanninen in unreifen Früchten. Je geringer der Gehalt, desto zuverlässiger ist das Ausspülen der Gerbsäure.

Halten Sie sich an die folgende Vorgehensweise, können Sie Ihre gesammelten Eicheln problemlos essen und zur Zubereitung zahlreicher Köstlichkeiten nutzen. So geht's:

  • Die Früchte nach dem Sammeln rund zwei Tage lang trocknen lassen. Das erleichtert die Schalenentfernung.
  • Danach die Schalen lösen. Ein Nussknacker ist hierfür ideal geeignet.
  • Entfernen Sie die bräunliche Samenhaut, die über dem Kern liegt.
  • Rösten Sie die Eicheln vorsichtig in einer Pfanne.
  • Legen Sie die Kerne anschließend für mehrere Tage in eine Schüssel mit Wasser.
  • Wechseln Sie das Wasser täglich. Durch die austretende Gerbsäure zeigt sich eine braune Verfärbung.
  • Das Auswaschen ist erfolgreich beendet, wenn das Wasser absolut klar bleibt.
  • Trocknen Sie die Eicheln ab und verwenden Sie je nach Bedarf.

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Zu was lassen sich Eicheln verarbeiten?

Nach dem Auswaschen der Gerbstoffe lassen sich Eicheln vielfältig weiterverarbeiten. Beliebt ist das Pürieren und verarbeiten zu einer Paste. Getrocknet und zermahlen kann es auch als Mehl verwendet werden, um beispielsweise Brot, Kuchen oder Gebäck zu backen. Da Eichelmehl selbst nicht bindet, muss es allerdings mit herkömmlichem Weizen- oder Dinkelmehl vermischt werden. Empfehlenswert ist ein Anteil von maximal 25 %.

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Autor Tim Sydekum

Über den Autor
Tim Sydekum

Als Gartenliebhaber und Gründer von mein-gartenexperte.de ist Tim zuständig für spannende Produkttests, interessante Berichte und informative Beiträge aller Art. Er hat eine technische Ausbildung und jahrelange Erfahrung im Gartenbereich.

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