Herbstdünger

Garten im Herbst richtig düngen: Wie und womit?

Nicht jeder Pflanze und jedem Baum tut es gut, wenn sie im Herbst nochmal mit „Power-Drinks und -Riegeln“ versorgt werden. Düngen ist zu diesem Zeitpunkt gerade für Bäume und Sträucher eher gefährlich. Wir erklären Ihnen, wie Sie Ihre Gartenpflanzen dennoch am besten auf den Winter vorbereiten.

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Richtig Düngen im Herbst: So schützen Sie Ihre Gartenpflanzen vor dem Winter
Im Herbst sollten Rasenflächen, Beete, Bäume und Sträucher mit Bedacht gedüngt werden
Inhaltsverzeichnis

Die vergangenen Monate haben unseren Gärten ziemlich viel Saft genommen. Gerade die Hitzeperiode machte fast allen Kulturen zu schaffen. Die Sonne knallte auf den Boden und ließ die oft nicht geschützte Rinde von Obstbäumen bersten, sie sorgte dafür, dass viel Wasser verdunstete und manche Saat gar nicht erst aufging.

Der Herbst gilt als gute Zeit, einige der Schäden zu mindern oder bereits heute dafür zu sorgen, dass es im kommenden Gartenjahr wieder kräftig grünt und blüht.

Boden natürlich aufpimpen

Daran können die „Reste“ der Saison ihren Anteil haben. Der Herbst gilt als idealer Zeitpunkt, um die Komposter zu leeren. Das handhabten bereits die Mönche in ihren Klostergärten so. Die Winterfröste lösen die Struktur des Substrats, machen es feiner und bieten Wurzeln so beste Verwertungsbedingungen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Kälte vergrault zudem Parasiten und Krankheitserreger aus dem Humus. Die Komposterde wintert aus und sorgt ab dem Frühjahr nochmal eingeharkt für neue Frische.

Hornspäne mit einer Körnung von rund fünf Millimetern können ebenso im Herbst ausgebracht werden. Der Langzeitdünger, der über ein Jahr verteilt wirkt, sorgt für gute Startbedingungen solcher Pflanzen wie Erdbeeren, Rhabarber, Stauden und Gehölze im Frühjahr.

Gehölze ab August nicht mehr düngen

Pflanzentriebe erfrieren bei Frost
Werden Pflanzen zu spät noch einmal gedüngt, erfrieren nachkommende Triebe beim ersten Frost

Doch das Düngen im Herbst schadet oft mehr als es nützt. Vorher hilft eine Nährstoffanalyse des Boden. Es bringt wenig, Pflanzen während ihrer Ruheperiode zu düngen, denn sie nehmen in der kalten Jahreszeit kaum Nährstoffe auf. Noch schlimmer: Salze sickern fast wirkungslos durch die Erdschichten und bringen später im Grundwasser keine Effekte für den Garten.

Gerade bei Gehölzen sollte spätestens zum 1. August Schluss mit den Kraftpaketen aus der Stickstoff- und Phosphor-Düngertüte sein. Denn zu dieser Zeit beginnt die Wintervorbereitung, Sträucher und Bäume streben dem Triebabschluss entgegen. Der Schuss, den die Äste noch vollführen, gefährdet sie sogar. Späte Austriebe fallen oft den ersten Frösten zum Opfer, denn sie hatten nicht mehr genügend Zeit, um bis Ende Oktober oder Anfang November, wenn die Quecksilber-Säule unter 0 Grad fällt, zu verholzen. Äste und Zweige könnten dadurch bei schwerem Schneefall unter der Last brechen.

Kalium macht gegen Fröste resistenter

Herbstdünger für Rasen
Auch der Rasen sollte vor dem Winter noch einmal mit Herbstdünger versorgt werden

Kaliumbetonter Dünger kann bei immergrünen Pflanzen durchaus gut ankommen: Das Mineral pusht den Salzgehalt im Zellsaft, der Gefrierpunkt sinkt. Die Pflanzen werden resistenter gegen Fröste.

Doch auch hier gilt: Hier sollte im letzten September-Drittel Schluss mit Kalium sein. Auch wenn die Luft feucht wirkt und gelegentlich Herbstregen fällt, das gute Wässern nach der Düngergabe bleibt wichtig. Nur der Rasen verkraftet Düngergaben bis Mitte Oktober. Vorher sollte er maximal drei Finger breit hoch gemäht werden, um die Schutzfunktion der Gräser für die Bodenstruktur nutzen zu können, wenn die kalte Jahreszeit startet. Bis Anfang Oktober lässt sich der Rasen nochmal mit dem Vertikutierer von Moos & Co., aber auch mit Fächerbesen oder Harke von heruntergefallenem Laub befreien.

Mulch kräftigt Bodenstruktur

Das gewonnene organische Material kann man im Garten lassen. Es lässt sich gut mulchen, worüber sich die Pflanzbeete freuen, die damit bedeckt werden können. Die Wirkung daraus ist dreifach: Der Boden wird warm gehalten, das Gemulchte schützt vor Frösten und gibt noch Nährstoffe an die Erde ab.

Zunehmend ziehen Gärtner ihren Beeten auch einen dicken Wollpullover an und düngen sie gleichzeitig ökologisch. Naturnäher geht es fast nicht: Schafwolle zieht in den Garten ein. Die Tiere pflegen nicht nur die freie Landschaft und sind „Rasenmäher“. Sie werden ja auch geschoren, nur einen Großteil der Wolle müssen Schäfer entsorgen, weil kaum Bedarf an weniger hochwertigem Material besteht.

Doch was bisher eher weniger bekannt ist: Schafwolle besitzt fast die Zusammensetzung von Hornspänen. Keratin, ein Protein, vereint Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und über zehn Prozent Stickstoff. Dazu kommen Nährstoffe, die für Pflanzen wichtig sind: etwas Phosphor, Kalium sowie Schwefel und Magnesium.

Die Garten-Kraft im Schafspelz

Schafwolle als Pflanzendünger
Der Schafspelz enthält wichtige Nährstoffe und lässt sich daher optimal als Dünger nutzen

Die mit Wollfetten behaftete und an Beinen und der Bauch verschmutzte Schafwolle, der oft noch Mist anhaftet, ist zum Düngen im Garten einfach ideal. Auch wenn die Wollflusen auf den Beeten für Puristen nicht besonders ästhetisch wirken. Ein Vorteil, wie bei Hornspänen gibt Wolle die Mineralien langsam ab und eignet sich so gut als Langzeitdünger, der durchaus noch im Herbst ausgebracht werden kann.

Während unterdessen Schafwolle bereits in Pellets angeboten wird, geben Tierhalter sie direkt ab. Man zerpflückt sie in handliche Flocken und verteilt sie bei Neupflanzungen in der ausgehobenen Grube. Handelt es sich um ein Beet im Bestand, verteilt man die Wollfetzen auf der Fläche, vergisst aber nicht, die Leichtgewichte mit etwas Erde zu beschweren. Denn Vögel nutzen die Flusen gerne zum Auspolstern ihrer Netze. Und die Wollbüschel sollten gut durchfeuchtet werden, um den Austausch mit Bodenorganismen anzuregen.

Nicht im Dünger verheddern

Es gibt kaum eine Pflanze, die allergisch auf Schaf reagiert. Nur Moorbeetpflanzen wie Erika, Heidelbeeren, Azaleen oder Rhododendren sollten auf die wollige Verbindung verzichten, weil sie ohne einen sauren Boden nicht zurecht kommen. Manchem Wurzelgemüse ist der Dünger zu wuschelig, weil die feinen Wurzeln sich in den Schafshaaren verheddern und die Pfahlwurzeln mickern. Dagegen stehen vor allem Starkzehrer auf die weiche Wolle, so dass sich Gemüse wie Kartoffeln, Tomaten, Blumenkohl oder Bohnen gern in Wolle kleidet, aus der Powernahrung quillt.

THEMEN:   Dünger Herbst Beet Rasen


Autor Uwe Kraus

Über den Autor
Uwe Kraus

Als freiberuflicher Journalist kann Uwe bereits eine sehr lange und erfolgreiche Karriere vorweisen. Er schreibt für diverse Magazine und Tageszeitungen, ist Buchautor und verfasst regelmäßig interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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