Gartengestaltung

Gartenbonsais: Formschnitt im japanischen Stil

Als spezielle Formgehölze setzen Gartenbonsais optische Akzente: Die aufwendig geformten Bäume präsentieren sich im japanischen Stil, dem eine spezielle Schnitttechnik zu Grunde liegt. Sowohl die Art der Formgebung als auch die Gartenbonsais selbst sind unter dem Namen "Niwaki" bekannt.

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Gartenbonsai im japanischen Stil
Ein Bonsai im Garten stellt ein optisches Highlight dar, benötigt aber regelmäßige Pflege und einen Schnitt
Inhaltsverzeichnis

Woher kommen Gartenbonsais?

Die japanische Gartengestaltung lebt von verschiedenen Bäumen und generell Gehölzen. Den wichtigen Gestaltungselementen steht allerdings eine eher kleine Gartenfläche zur Verfügung, da sich die Siedlungsfläche Japans auf einige Bergtäler, große Ebenen und Küstenstreifen beschränkt. Grundsätzlich lassen sich rund 20 Prozent der Landesfläche besiedeln, weshalb Gärten in der Folge eher klein ausfallen.

Die Inspiration für die Gartenlandschaft entstammt den restlichen rund 80 Prozent des Landes, die sich vor allem aus Seen, Flüssen, Felsen und bewaldeten Bergen zusammensetzen. Als charakteristische Naturelemente finden sich diese in privaten sowie öffentlichen japanischen Gartenanlagen wieder, die auf eine Tradition von über 1.000 Jahren zurückblicken.

Als weitere Inspirationsquelle gilt unter anderem der Shintoismus, der als die ursprüngliche Religion Japans Einfluss auf die japanische Gartengestaltung nimmt. Es finden sich stark animistische Züge, die sich beispielsweise in einer Verehrung der Natur zeigen, in der Felsen oder Bäume als eine Wohnstätte für Götter dienen können.

Die Vorgaben des Feng-Shui, das sich positiv auf das Leben auswirken soll, beeinflussen außerdem, an welcher Position sich die einzelnen Elemente in der Gartenanlage befinden sollen. Aber auch der Buddhismus, der im 6. Jahrhundert nach Japan gelangte, trägt einen Teil zur japanischen Gartenkultur bei.

So sollen japanische Gärten Ausgewogenheit, Harmonie und Ruhe ausstrahlen und genau diese Emotionen bei ihrem Betrachter wecken. Formgehölze erhalten daher einen speziellen Formschnitt, mit dem sie sich ideal in die Miniatur-Landschaft einfügen. Gartenbonsais werden nicht nur speziell zu diesem Zweck kultiviert, sondern über viele Jahre hinweg zurechtgeschnitten und -gebogen.

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Welche Gehölze lassen sich als Gartenbonsai schneiden?

Blätter eines Gartenbonsais
Es existieren verschiedenen Baum- und Straucharten, die sich als Gartenbonsai eignen

Japanische Gartenanlagen blicken auf eine langjährige Tradition zurück. Die als Gartenbonsais verwendeten Pflanzen reihen sich in diese Tradition ein, wobei insbesondere einheimische Pflanzen mit einer guten Schnittverträglichkeit Verwendung finden.

Unter den Nadelgehölzen finden sich etwa Himalayazeder (Cedrus deodara), Japanische Eibe (Taxus cuspidata), japanische Wacholderarten oder Tränenkiefer (Pinus wallichiana), die durch die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) und Palmfarn (Cycadales) ergänzt werden.

Die Kategorie der Laubgehölze fällt noch umfangreicher aus und hält Azaleen, Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa), Japanischen Ahorn (Acer japonicum), Japanische Stechpalme (Ilex crenata), Japanische Steineichen, Kamelie (Camellia japonica), Katsurabaum (Cercidiphyllum japonicum), Liguster (Ligustrum), Magnolien (Magnolia), Zelkoven (Zelkova) oder Zierkirschen bereit.

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Was sind typische Formen für Gartenbonsais?

Die japanische Gestaltungsart von Gartenbonsais lässt sich am besten mit "Niwaki" beschreiben. Dieser Begriff vereint verschiedene Stile, die beim Formschnitt japanischer Formgehölze zum Einsatz kommen. Weitere Bezeichnungen sind Big Bonsai, Macro Bonsai oder Japanese Bonsai.

Der Stamm darf sowohl gebogen als auch gerade ausfallen, mehrstämmig oder als Zwiesel gestaltet sein. Die Krone besteht zumeist aus mehreren Kugeln, Muscheln oder Stufen, die in ihrer Größe variieren. Anstelle von perfekten Rundungen präferieren die japanischen Schnitttechniken organische Formen und streben eher nach einem Oval.

Das Ziel aller Schnittarbeiten an Gartenbonsais besteht in einer markanten Silhouette und einem optisch ansprechenden Ergebnis. Die einzelnen Hauptäste eines Niwaki lassen sich zudem nicht nur formschön gestalten. Teilweise dienen sie auch zum Überdachen eines Eingangs oder umrahmen eine Pforte ähnlich wie ein Rosenbogen. Wer Gartenbonsais in Reihe pflanzt, erhält außerdem eine Art Hecke, die als durchbrochenes Gartenelement einen interessanten Blickfang bietet.

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Was sind beliebte Begleitpflanzen für Gartenbonsais?

Niwaki-Bonsai in einem Park
In Japan stehen Niwaki-Bonsais häufig in Parks

In einer traditionell japanischen Gartenanlage finden sich nicht nur Gartenbonsais. Begleitpflanzen wie Bambus oder Ziergräser ergänzen die Landschaft und setzen die Formgehölze gekonnt in Szene. Zwergkalmus (Acorus gramineus) und Schlangenbart (Ophiopogon) gehören zu den beliebtesten Gräsern. Unter den Blühpflanzen ergänzen Chrysanthemen, Hortensien oder Schwertlilien den gekonnten Schnitt der Bäume.

Verschiedenen Moosarten dienen außerdem zur Bodenbedeckung, die eine akribische Pflege erhält und den Garten im japanischen Stil komplettiert. Während westliche Gärten oftmals Rasenflächen zur Schau stellen, lassen sich in Japan Moosflächen in der Art eines "Rollrasens" erwerben.

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Wie lässt sich ein Gartenbonsai pflanzen?

Niwaki bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte. Da die japanischen Formgehölze empfindlich auf Staunässe reagieren, sollte der Boden durchlässig ausfallen. Obwohl die meisten Gartenbonsais winterhart sind, sollten Sie ausschließlich Exemplare wählen, die auf die jeweiligen klimatischen Bedingungen ausgelegt sind.

In Baumschulen werden Gartenbonsais wie Ballenpflanzen kultiviert und ebenfalls gepflanzt. Die Wurzeln bei größer werdenden Gehölzen werden im Laufe der Zeit immer wieder abgestochen und balliert. Diese Maßnahme mag zunächst etwas drastisch wirken, sie regt die Bäume allerdings zur Neubildung von Feinwurzeln an.

Wer einen ballierten Gartenbonsai in der heimischen Natur auspflanzen möchte, hebt ein großzügiges Pflanzloch aus, das etwa anderthalbmal so breit und tief wie der Wurzelballen ausfällt. Zeigen sich am Boden des Pflanzlochs Verdichtungen, lockern Sie diese vor dem Einpflanzen auf. Die Drainage lässt sich zudem mit einer Schicht Kies oder Sand verbessern.

Haben Sie das Pflanzloch vorbereitet, stellen Sie das Formgehölz mit dem Ballentuch hinein und schneiden dieses vorsichtig auf. Schließen Sie das Pflanzloch anschließend mit Pflanzenerde und drücken Sie die Erde sorgfältig an.

Um die Bewässerung in der Folgezeit zu erleichtern, empfiehlt sich ein Gießrand. Fällt Ihr Gartenbonsai besonders groß aus, bietet sich außerdem ein Pfahl an. Dieser stützt das Gehölz und vermeidet bei starkem Wind, dass die sich neubildenden Feinwurzeln des Baumes abreißen.

Schon gewusst?
Während die Formgehölze in Japan ausgepflanzt werden, zieren sie in westlichen Kulturkreisen auch große Pflanzgefäße.

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Welche Pflege braucht ein Gartenbonsai?

Blühender Bonsai
Ob im Topf oder als großer Baum: Bonsais bringen japanischen Flair in den Garten

Um die besondere Form von Niwakis zu erhalten, müssen Sie regelmäßig zur Gartenschere greifen. Gestaltungs- und Schnittmaßnahmen müssen konsequent durchgeführt werden und erfolgen mindestens zweimal im Jahr. Im Frühjahr werden Neutriebe eingekürzt oder vollständig herausgedreht, im Herbst lichten Sie Neuaustriebe aus.

Neben einem regelmäßigen Pflegeschnitt freut sich Ihr Gartenbonsai außerdem über eine Versorgung mit Dünger und Wasser. Beides sollten Sie sowohl an den Standort als auch an die Art Ihres Formgehölzes anpassen. Wächst Ihr botanischer Blickfang in einem Pflanzengefäß, so verfügt das Gehölz über einen beschränkte Wurzelraum, der besonderer Sorgfalt bei der Pflege bedarf. Vermeiden Sie in jedem Fall Staunässe und achten Sie darauf, ein ausreichend großes Pflanzengefäß zu verwenden, damit Ihr Gartenbonsai uneingeschränkt gedeihen kann.

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THEMEN:   Bonsai Gartengestaltung


Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum "Werbetexter und Konzeptioner". Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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