Pflanzenpflege

Gartenkräuter als natürliche Medizin für Pflanzen

Schwächelnde Blumen, armselige Stauden und der Kirschbaum voller Läuse - statt zur teuren Chemie zu greifen, gibt es bessere Mittel, um den Pflanzen unter die Arme zu greifen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche natürliche Medizin aus der Natur dem Gartenbesitzer da Hilfe bietet.

·   |   Lesedauer: 5 Minuten

Gartenkräuter als natürliche Medizin für Pflanzen
Gartenkräuter sind nicht nur für uns Menschen gesund, sondern helfen auch bei der Heilung von Pflanzen und Bekämpfung von Schädlingen
Inhaltsverzeichnis

Selbsthilfegruppen im Garten

Für Brennnesseln, Lavendel, Ringelblumen und Kapuzinerkresse braucht der Gärtner nicht in die Apotheke zu gehen. Die Pflanzen zählen zur Natur-Medizin und sollten auf den heimischen Beeten als Arznei nicht fehlen. Sie gehören zur floralen Selbsthilfe-Gruppe.

Behandelt werden können auf diesem Wege Blattlaus-Befall, Mehltau und Ameisen-Herden. Denn Kräuter sorgen mit ihren bis zu 10.000 verschiedenen bio-aktiven Substanzen nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern können auch im Garten ihre Nachbarpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten schützen.

Eine Reihe Kräuter untermischen

So gelten Kräuter als willkommene Beisaat oder Unterpflanzung in die Mischkultur mit anderen Pflanzen. Letztlich können sie noch den Weg in die Kräuterjauche finden.

Nasswarmes Wetter schafft wahre Festtafeln für Schädlinge nicht nur im Obstgarten. Wer seine Pflanzen nicht mit natürlicher Gartenmedizin geschützt hat, der sollte schnellstens Schadensbegrenzung betreiben und von Schädlingen und Krankheiten befallene Blätter und Früchte entfernen und nicht auf dem Kompost sondern im Restmüll entsorgen.

Wer zu lange bei Mehltau-Befall wartet und die befallenen Stellen an Apfelbäumen nicht etwa fünf bis zehn Zentimeter bis ins gesunde Holz hinein abschneidet, läuft Gefahr, dass der Pilz sich per Wind auf den ganzen Bau ausdehnt.

Sellerie stinkt dem Kohlweißling

Sellerie hilft gegen Pflanzenschädlinge
Pflanzliche Nachbarschaftshilfe: Sellerie im Beet schützt Kohlköpfe vor Raupenfraß

Wer die Krankheitsbilder im Garten genau beobachtet, der kann bereits bei der Bestellung der Beete hilfreiche Kräuter mit vielen Gemüsesorten kombinieren. Kapuzinerkresse schützt Obstbäume gegen Blatt- und Blutläuse, die gleiche Wirkung haben Ysop bei Kohl und Rosen oder Lavendel und Kerbel. Borretsch und Thymian nehmen es dagegen mit Kohlschädlingen auf. So wie der Gärtner zerkaute Pfefferminzblätter für seinen eigenen Atem nutzt, passt das Kraut zu Kartoffeln, Tomaten und Kohl, um den Kohlweißling und Erdflöhe fernzuhalten.

Die gefürchteten Kohlweißlingsraupen fressen innerhalb weniger Tage ganze Kohlköpfe kahl. Bekanntlich mögen die weißen Schmetterlinge den Geruch aller Selleriearten nicht. Deshalb pflanzt man den Kohl stets in Mischkultur mit Knollen-, Bleich- oder Staudensellerie.

Tagetes oder Ringelblumen sorgen dafür, dass Nematoden, auch Älchen genannt, Tomaten, Erdbeeren und Petersilie nichts anhaben können. Ein Wirkstoff, der durch die Wurzeln ausgeschieden wird, hindert die wurzelfressenden Nematoden an ihrer Verbreitung und töten sie ab.

Die eigene Jauche produzieren

Ohne viel Aufwand und durchaus kostensparend kann der Amateur-Gärtner eigene Dünge- und Stärkungsmittel zu Hause produzieren. So entstehen Jauchen, Tees, Aufgüsse und Brühen. Ökogärtner wollen damit nicht einer chemischen Keule ähnlich einen Kahlschlag erzeugen, sondern die Schädlinge eindämmen. Es geht nicht ums Vernichten, sondern um die Stärkung der Pflanzen gegen die Angriffe ihrer Feinde.

So hilft eine Brühe aus Rainfarn, das kein Farn, sondern ein Korbblüter ist, die Kartoffelkäfer aus den Reihen zu vertreiben, aber auch beißende und saugende Insekten in die Flucht zu schlagen. So können sich Tomaten, Paprika und Kohlrabi stärken.

Rezept für Pflanzenbrühe

Für die Brühe werden ein Pfund Blätter mit 5 Liter Wasser übergossen und 30 Minuten gekocht. Doch Vorsicht, das Kraut gilt als giftig. Auch wenn es seit Jahrhunderten gegen Wurmbefall eingesetzt wird. Um Allergien zu vermeiden, sollten bei der Verarbeitung Handschuhe getragen werden. Den abgekühlten Sud sieben und mit Wasser 1:7 verdünnt in Sprühflaschen füllen. Meist reicht ein Sprühgang, um die Schädlinge zu vertreiben. Nach dem Besprühen sollte Gemüse erst nach sieben Tagen wieder geerntet werden.

Mit Wasch-Nüssen gegen Läuse

Blattläuse kann der Gärtner durchaus erst einmal mit einem scharfen Strahl aus dem Wasserschlauch vom Blatt holen und dann „platt machen“. Hilft das nicht, nimmt man zehn Waschnüsse, kocht sie in einem Liter Wasser, lässt den Sud erkalten und versprüht das geruchlose Mittel auf die Blätter der geschädigten Pflanze.

Stinkbomben als Dünger

Kräuterjauche gegen Pflanzenschädlinge einsetzen
Die selbst angesetzte Kräuterjauche lässt sich beispielsweise mit einer Spritzpistole direkt auf Bäume sprühen

Beliebt beim Gärtner, gefürchtet bei Schädlingen ist Kräuterjauche. Die bekannteste dürfte die aus Brennnesseln sein. Das Kraut gehört nicht nur zu den Männer-Heilpflanzen und soll bei Prostataleiden wirkungsvoll sein. Als Tee wächst die Beliebtheit immer weiter.

Rezept für Brennnesseljauche

Die anspruchslose Brennnessel wächst eigentlich überall. Brennnesseljauche eignet sich gut zum Düngen. Sie lässt sich recht einfach ansetzen. Ein Kilo frische Pflanzen wird klein geschnitten und in einem metallfreien Bottich oder Fass mit zehn Liter Wasser übergossen. Dann wird das Gemisch mit einem alten Sack abgedeckt und der Gärung überlassen. Dabei sollte der Gärtner das stinkbombenartige Gebräu im Blick haben und täglich umrühren. Für sensible Nasen kann man die Gerüche dabei mit einem Schäufelchen Gesteinsmehl eindämmen. Nach dem Absieben der Pflanzenreste lässt sich die Jauche 1:10 verdünnt zum Gießen oder Besprühen nutzen. Sie wehrt Schädlinge wie Blattläuse ab.

Jedoch gilt die Brennnesseljauche auch als natürlicher Dünger. Gerade Anbauer von Tomaten und Gurken schwören darauf, da Kieselsäure, Stickstoff und Kalium mit aus der Gießkannen-Tülle fließen und den Gemüsegeschmack verbessern.

Milch kontra Mehl(tau)

Auf Rosen, Begonien, Apfel-Bäumen und Stachelbeerbüschen liegt oft etwas Mehliges. So nennt man den Belag "Echten Mehltau", der bei starkem Befall Blätter abfallen lässt.

Bekämpfen lässt der sich mit einem Mittel aus dem Kühlschrank: Milch. Sie wird 1:8 verdünnt und alle vier Tagen auf die Pflanzen gesprüht. Dabei kommt möglichst „natürliche“ Milch zum Einsatz, H-Milch enthält zu wenig Mikroorganismen.

Es hilft aber auch schon, Rosen etwas lockerer zu pflanzen, damit die Blätter schneller trocknen können, und von unten zu gießen, um die Blätter nicht zu benetzen. Dadurch hat der Schönwetterpilz Mehltau weniger Chancen und der Gärtner mehr Freude an seinen Rosenzüchtungen.

THEMEN:   Dünger Kräuter Pflanzenpflege Hausmittel Krankheiten


Autor Uwe Kraus

Über den Autor
Uwe Kraus

Als freiberuflicher Journalist kann Uwe bereits eine sehr lange und erfolgreiche Karriere vorweisen. Er schreibt für diverse Magazine und Tageszeitungen, ist Buchautor und verfasst regelmäßig interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag?

 
5.0 / 5 Sternen | 1 Bewertungen