Gartenrecht

Nachbarschaftsstreit: Stress am Gartenzaun vermeiden

Streitigkeiten sind nervenaufreibend und beeinträchtigen die Lebensqualität. Wenn Sie aufkeimende Konflikte frühzeitig lösen, haben Sie gute Chancen, friedliche Beziehungen zu Ihren Nachbarn zu pflegen. Wir geben Tipps, wie sich Nachbarschaftsstreitigkeiten schon im Vorfeld vermeiden lassen.

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Pflanzenherz am Gartenzaun
Ein harmonisches Zusammenleben am Gartenzaun erspart allen Beteiligten viel Stress und Ärger
Inhaltsverzeichnis

Häufige Ursachen für Nachbarschaftsstreitigkeiten

Auch scheinbar gute Nachbarschaften können von heute auf morgen in Streit münden. Häufige Auslöser sind Lärm, Rücksichtslosigkeit, Unfreundlichkeit, egoistisches Parken, Unordentlichkeit, Müll, unterschiedliche Wertvorstellungen, Kinder, Haustiere, unangenehme Küchen- und Grillgerüche sowie geplante oder sich in der Umsetzung befindliche Bau- und Renovierungsprojekte. Über die Grundstücksgrenzen hängende Äste von Sträuchern und Bäumen sowie Hecken erregen die Gemüter ebenso wie falsch gesetzte Zäune oder auf dem Nachbargrundstück aufgetürmte Schneemassen durch winterliche Räumaktionen.

Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Zeigen Sie durch Worte und Taten, dass Sie um ein gutes Einvernehmen mit Ihren Nachbarn bemüht sind, lassen sich Probleme, die in langandauernden Nachbarschaftsstreitigkeiten münden könnten, leichter aus der Welt schaffen. Damit Sie mit Ihren Nachbarn - sei es als Eigenheimbesitzer oder Mieter - gut zurechtkommen, sollten Sie einige Punkte berücksichtigen.

Hilfreiche Tipps gegen Nachbarschaftsärger

1. Persönliches Vorstellen bei den Nachbarn

In ländlichen Umgebungen und Eigenheimsiedlungen großer Städte gehört es zum guten Ton, sich vor oder unmittelbar nach dem Einzug persönlich bei den Nachbarn vorzustellen. Planen Sie eine Renovierung oder Sanierung Ihrer neuen Wohnräume und ist mit einem vermehrten Verkehrsaufkommen durch Handwerker oder Baulärm zu rechnen, ist die Vorstellungsrunde eine gute Gelegenheit, um Verständnis für die befristete Lärmbelästigung zu bitten.

Optimal ist es, wenn Sie Ihre Kontaktdaten hinterlassen und Ihren neuen Nachbarn so die Gelegenheit geben, Sie bei Problemen telefonisch zu erreichen. Alternativ können Sie Ihnen die Zeiten mitteilen, in denen Sie sich persönlich auf der Baustelle befinden.

2. Lärm zu Ruhezeiten vermeiden

Lauter Benzinrasenmäher
Vor allem zu viel Lärm sorgt immer wieder für Unmut zwischen Nachbarn

Neben temporären Lärmquellen wie Baulärm gibt es dauerhafte Lärmquellen, die für Ärger sorgen - wie Kindergeschrei, laute Musik, feuchtfröhliche Fußball- und Grillabende, Rasenmäher, Laubbläser, Hundegebell oder häusliche Auseinandersetzungen. Um Streit zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, die festgelegten Ruhezeiten einzuhalten.

Wann diese Ruhezeiten sind, steht in der Hausordnung oder Sie können sie bei der örtlichen Gemeinde- und Stadtverwaltung erfahren. Üblich ist eine Mittagsruhe zwischen 13 Uhr und 15 Uhr, eine Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 7 Uhr sowie ganztägige Ruhe an Sonn- und Feiertagen. Lärm sollte innerhalb dieser Zeit 40 Dezibel am Tag und 30 Dezibel in der Nacht nicht überschreiten. Alteingesessene Nachbarn in der nahen Umgebung sind hervorragende Informationsquellen über Gewohnheiten und Toleranzen, die sich innerhalb eines Miethauses und Wohnviertels eingebürgert haben.

3. Konfliktherd spielende Kinder

Spielende Kinder und die damit einhergehende Geräuschentwicklung ist ein Dauerthema zwischen Nachbarn. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Kinderlärm in erhöhtem Maße zu dulden ist. Bei gerichtlichen Streitigkeiten wird der Einzelfall geprüft. Haben Sie Kinder, können Sie Probleme vermeiden, indem Sie gezielt ein Wohnviertel auswählen, in dem viele Familien wohnen.

Ein kurzer Plausch während der Besichtigung mit anderen Eltern gibt Ihnen Hinweise darauf, ob Kinder in der Wohnumgebung willkommen sind oder ob bereits unterschwellige Konflikte existieren. Beschweren sich Nachbarn, lohnt es sich, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und aktiv nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen - zur Not mit Unterstützung eines neutralen Vermittlers.

4. Schattenwurf durch hohe Bäume

Klettert das Thermometer auf sommerliche Höchstwerte, sind schattige Plätzchen im Freien begehrt. Natürlicher Bewuchs durch Bäume, Sträucher und Hecken gibt immer wieder Anlass zu Streit. Sei es, weil Äste auf das Nachbargrundstück ragen oder der Schattenwurf durch hohe Bäume die Wohnqualität beeinträchtigt. Entsprechend wichtig ist es, einvernehmliche Lösungen durch offene Kommunikation zu finden. Ein beherzter Zuschnitt der Baumkrone kann die Anzahl der sommerlichen Sonnenstunden beträchtlich erhöhen.

Übernehmen die vom Schattenwurf betroffenen Nachbarn einen Teil der Kosten oder sogar die gesamte Rechnung, ist die Bereitschaft, einen professionellen Baumpflegebetrieb zu engagieren, höher. Hinzu kommen zahlreiche gute Argumente - wie eine schönere Optik, bessere Baumgesundheit und Schutz vor herabfallenden morschen Ästen. Ein guter Baumpfleger kann die Situation einschätzen und im Gespräch mit den Nachbarn eine neutrale Position einnehmen.

5. Partys, Veranstaltungen und Grillabende

Starker Grillgeruch
Starker Rauch und Grillgeruch können Nachbarn stören

Feiern Sie eine Party oder richten Sie eine Veranstaltung auf Ihrem Grundstück aus, droht Ärger mit lärmempfindlichen Nachbarn. Kündigen Sie Ihr Vorhaben rechtzeitig an und reden Sie persönlich mit den angrenzenden Bewohnern, sorgen Sie dafür, dass diese die Lärmbelästigung nicht unvorbereitet trifft. Möchten Ihre Kinder eine Party feiern, kann es sich positiv auswirken, wenn sie mit eigenen Worten um Verständnis bitten und versprechen, nicht über die Stränge zu schlagen. Kümmern Sie sich darum, dass Ihre Gäste nicht unbefugt auf Nachbargrundstücken parken und Zufahrtswege blockieren, zeigen Sie, dass Sie die Privatsphäre Ihrer Nachbarn respektieren.

Viel Anlass zu Diskussionen bieten sommerliche Grillabende mit Familie und Freunden. Nicht jeder Nachbar toleriert Rauch und Grillgerüche. Dass Grillen ein großes Streitpotenzial birgt, zeigt die Vielzahl von Gerichtsentscheidungen zu dem sensiblen Thema. Mietern kann das Grillen - per Hausordnung oder Mietvertrag - komplett verboten werden. Merken Sie, dass Konflikte mit Nachbarn drohen, versuchen Sie frühzeitig Kompromisse zu finden und die Nachbarn in die zeitliche Planung von Partys, Veranstaltungen und Grillabenden einzubeziehen.

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6. Nachbarschaftshilfe ernst nehmen

Kleine Gefälligkeiten schaffen eine solide Basis für ein gutes Miteinander. Ältere Nachbarn mit eingeschränkter Mobilität freuen sich über Unterstützung beim Entsorgen von Grünabfällen, Schneeräumen oder Herausbringen der Mülltonnen. Halten Sie Ihre Kinder an, die Augen offenzuhalten und aktiv ihre Hilfe anzubieten. Damit Sie und Ihre Familienmitglieder nicht das Gefühl haben, ausgenutzt zu werden, ist es wichtig, dass alle Beteiligten nur Leistungen in dem Umfang erbringen, mit dem sie sich wohlfühlen und die sie zusätzlich zu ihrem eigenen Arbeitspensum gut schaffen.

7. Schäden beseitigen und Kosten übernehmen

Von großer Wichtigkeit ist es, dass alle Familienmitglieder - inklusive der Haustiere - einen umfassenden Versicherungsschutz genießen. Es ist schnell passiert, dass Ihre Kinder oder Ihr Hund beim Spielen einen höheren Schaden verursachen. Von Lackschäden am Auto über Glasschäden bis hin zu umgefahrenen Mülltonnen gibt es unzählige Schadensfälle, die zu Nachbarschaftsstreits führen können.

Ist ein Malheur passiert, sollten Sie aktiv die Beseitigung des Schadens anbieten und sich um die finanziellen Aspekte kümmern. Ein selbst gebackener Kuchen oder ein durch ihre Kinder selbstgemaltes Bild sorgen dafür, dass die Entschuldigung richtig ankommt und sich das nachbarschaftliche Verhältnis wieder im rechten Lot befindet.

8. Guten Sichtschutz installieren

Viele Menschen stören sich an den neugierigen Blicken ihrer Nachbarn. Haben Sie auf Ihrem Grundstück einen guten Sichtschutz - beispielsweise durch Vorhänge, Rollläden, eine blickdichte Terrassenüberdachung oder seitliche Windschutzwände - genießen Sie ein hohes Maß an Privatsphäre. Im Sommer sorgt ein gut eingewachsener Garten dafür, dass Ihnen die Zeit im Freien Vergnügen bereitet. Pflanzen Sie Sträucher und Hecken, sollten Sie auf ausreichend Abstand zum Nachbargrundstück achten. Im Zweifelsfall ist es besser, einige Zentimeter an Gartenfläche zu verschenken und im Gegenzug seine Ruhe zu genießen.

Möchten Sie einen hohen Zaun bzw. eine hohe Mauer setzen, sollten Sie sich frühzeitig erkundigen, welche Obergrenzen der Bebauungsplan Ihres Wohngebietes vorsieht. Sind die Nachbarn einverstanden, ist es unter Umständen möglich, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen und einen höheren Sichtschutz zu installieren, der allen Parteien zugutekommt.

Fazit: Gütliche Einigung vorziehen

Egal, welche Konflikte mit Nachbarn drohen, ist es wichtig, eine gütliche Einigung anzustreben. Im Zweifelsfall kann ein Mediator helfen, die Wogen zu glätten und eine einvernehmliche Lösung zu finden. Achten Sie von Anfang an auf eine gute Nachbarschaft und streben Sie eine offene Kommunikation an, lassen sich viele Konfliktsituationen entschärfen, bevor ein Nachbarschaftsstreit entsteht. Können Sie im Zweifelsfall über Ihren eigenen Schatten springen und auf das eigene Recht verzichten, nehmen Sie eine Vorbildfunktion ein und schaffen die Basis für ein friedliches Miteinander.

THEMEN:   Recht Freizeit Nachbarschaft


Autor Tim Sydekum

Über den Autor
Tim Sydekum

Als Gartenliebhaber und Gründer von mein-gartenexperte.de ist Tim zuständig für spannende Produkttests, interessante Berichte und informative Beiträge aller Art. Er hat eine technische Ausbildung und jahrelange Erfahrung im Gartenbereich.

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