Pflanzenpflege

Rückschnitt: Bäume und Sträucher richtig schneiden

Viele Bäume und vor allem Sträucher benötigen regelmäßig einen Rückschnitt von zu dichtem oder altem Geäst. Je nach Jahreszeit und Gewächs muss dabei einiges beachtet werden. Wir erklären Ihnen die einzelnen Schnittarten und welche Gartengeräte für den Rückschnitt empfehlenswert sind.

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Rückschnitt: Bäume und Sträucher richtig schneiden
Junge Bäume und Sträucher erhalten durch den richtigen Rückschnitt einen besseren Wuchs © mein Gartenexperte
Inhaltsverzeichnis

Gewächse in Schnittgruppen unterteilen

Um das Thema Pflanzenschnitt zu vereinfachen, hilft die Einteilung der Gehölze in einzelne Schnittgruppen. Die häufigsten Schnittarten sind demnach der Pflanzungsschnitt bei Neuanpflanzungen, der Erhaltungsschnitt sowie der Verjüngungsschnitt. Es gibt aber auch Bäume und Sträucher die gar keinen Schnitt benötigen.

Pflanzungsschnitt beim Anpflanzen
Um den korrekten Wuchs zu fördern, sollten junge Bäume etwas beschnitten werden

Schnittgruppe 1: Pflanzungsschnitt

Bereits bei der Neuanpflanzung sollten Gewächse entsprechend beschnitten werden. Dies hilft ihnen beim Anwachsen sowie zur Bildung guter Verzweigungen. Grundsätzlich werden beim Pflanzungsschnitt kranke und schwache Triebe sowie beschädigte Wurzeln entfernt. Diese Schnitte werden auch als Erziehungs- und Aufbauschnitte bezeichnet.

  • Bei jungen Bäumen sollten Sie die Zweige etwas einkürzen und engstehende Verzweigungen auslichten. So wird der Wuchs gefördert und neue Triebe haben ausreichend Platz.
  • Neue Sträucher schneidet man lediglich dann zurück, wenn der Wuchs zu geringe Verzweigungen aufweist. Dadurch geben Sie ihm die Möglichkeit, neue und bessere Zweige zu bilden.

Schnittgruppe 2: Erhaltungsschnitt

Damit sich eine Pflanze gut entwickeln kann und einen schönen Aufbau erhält, sollte sie einen regelmäßigen Erhaltungsschnitt bekommen. Bäume benötigen ihn höchsten in den ersten Jahren, bis sie einen schönen Wuchs entwickelt haben. Und auch bei vielen Sträuchern ist dieser später vor allem für kleine Korrekturen und zum Entfernen alter Äste notwendig.

Bei blühenden Sträuchern empfiehlt sich ein regelmäßiges Auslichten oder ein Rückschnitt nach der Blüte - je nach Gehölz variiert die Durchführung dieses Erhaltungsschnitts.

Sträucher, die Langtriebe bilden, an denen sich erst in den Folgejahren Blüten zeigen, sollten alle zwei, drei Jahre geschnitten werden. Entfernen Sie die ältesten Zweige großzügig, wenn nötig bis zum Boden. So kann die Pflanze neue Triebe und vor allem Blüten bilden.

Sträucher, die ihre Blüten im Zeitraum von Frühsommer bis Herbst an den Enden der Langtriebe tragen, benötigen im Frühjahr einen radikalen Schnitt: Sie können hier alle Zweige aus dem Vorjahr entfernen.

Es gibt jedoch auch Straucharten, die Sie erst nach der Blüte zurückschneiden sollten. Diese blühen im Frühjahr an den Trieben des Vorjahres. Ein Rückschnitt direkt nach der Blüte lässt den Strauch auch im kommenden Jahr in einer schönen Blütenpracht erstrahlen.

Verjüngungsschnitte bei Bäumen und Sträuchern
Damit ein Flieder so schön blüht, ist manchmal ein Verjüngungsschnitt notwendig

Schnittgruppe 3: Verjüngungsschnitt

Ein Verjüngungsschnitt eignet sich in erster Linie für Sträucher, die seit Längerem schlecht wachsen oder falsch zurückgeschnitten wurden. Die Äste der Pflanze werden dabei radikal auf 30 bis 50 Zentimeter Höhe gekürzt. Arten wie Flieder, Jasmin oder Haselstrauch bekommen so die Möglichkeit des Neuaustriebs und beginnen, sich von unten her neu aufzubauen.

Allerdings vertragen nicht alle Sträucher diesen radikalen Rückschnitt. Viele Nadelgehölze, aber auch Ginster oder Goldregen, vertragen einen Verjüngungsschnitt häufig nicht.

Schnittgruppe 4: Kein Rückschnitt notwendig

Es gibt viele Gehölze, die gar keinen Rückschnitt benötigen. Dazu gehören eigentlich alle Arten, die baumförmig wachsen. Sie müssen sich lediglich in den ersten Jahren darum kümmern, Ihre Pflanzen durch Schnitte quasi zu „erziehen“.

In dieser Schnittgruppe muss lediglich dann zur Astschere oder -säge gegriffen werden, um die Bäume und Sträucher etwas auszulichten oder um alte und beschädigte Äste zu entfernen.

Häufige Fragen zum Rückschnitt

Baumrückschnitt
Hin und wieder müssen aus Bäumen und Sträuchern alte Äste entfernt werden

Wann ist kein Rückschnitt notwendig?

Haben sich Bäume entsprechend gut entwickelt, wachsen sie in der Regel vollkommen selbständig und benötigen keinen Rückschnitt mehr. Auch Sträucher, die schön und gleichmäßig wachsen, müssen Sie nicht zwangsläufig beschneiden.

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Wie bestimme ich, ob ein Gehölz einen Rückschnitt benötigt?

Bei den meisten Sträuchern können Sie den Rückschnitt vom jeweiligen Blühverhalten abhängig machen, wie in Schnittgruppe 2 beschrieben. Untersuchen Sie sich Ihre Bäume und Sträucher ansonsten jährlich nach kranken und toten Ästen und entfernen Sie diese nach Bedarf.

Entwickelt sich eine Pflanze grundsätzlich schlecht, kann ein starker Rückschnitt ihr eine neue Chance geben, neue Triebe und Verzweigungen zu bilden.

Auf den Pflanzetiketten der Hersteller sind außerdem die jeweiligen Schnitttypen oftmals mit angegeben.

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Wann ist der optimale Zeitpunkt für einen Rückschnitt von Sträuchern?

Der Zeitpunkt ist abhängig von der jeweiligen Pflanzenart. Dabei gilt grundsätzlich, dass ein Rückschnitt im Frühjahr einen stärkeren Wuchs bewirkt, während ein Schnitt im Sommer den Nachwuchs bremst oder im selben Jahr gänzlich verhindert.

Frühjahrsblüher sollten etwa alle zwei bis drei Jahre nach der Blüte beschnitten werden. Bei Sommerblühern empfiehlt sich der Rückschnitt hingegen bereits im Frühjahr, um den Sträuchern ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben.

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Wann sollten Obstbäume geschnitten werden?

Obstbaum richtig schneiden
Wenn ein Obstbaum regelmäßige Pflegeschnitte erhält, dankt er es mit einer reichen Ernte

Um Obstbäumen viel Kraft für die Bildung von Früchten zu geben, sollte der Rückschnitt in der Regel im Februar oder März erfolgen. Mit einem zu starken Schnitt wird das Holzwachstum gefördert, bei einem zu schwachen die Fruchtansätze.

Die Baumkrone dabei lediglich etwas ausdünnen und innenliegenden Äste entfernen, da sie nur wenig Früchte tragen.

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Wann dürfen Bäume und Sträucher gar nicht geschnitten werden?

Ist ein starker Rückschnitt erforderlich, sollte dieser zwischen Oktober und Februar durchgeführt werden, sofern kein Frost ansteht. In der Zeit zwischen dem 1. März und dem 30. September sind Radikalschnitte gesetzlich verboten, um brütende Vögel und deren Nester zu schützen. Dies ist im § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) geregelt, der dem allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen dient. In diesem Zeitraum sind lediglich Pflegeschnitte erlaubt.

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Welche Scheren und Sägen werden für den Rückschnitt benötigt?

Um Ihren Gehölzen einen passenden Rückschnitt zu geben, benötigen Sie, je nach Aststärke oder Größe des Strauches, verschiedene Werkzeuge, die Ihnen die Arbeit erheblich vereinfachen.

Für kleinere Äste in Körperhöhe empfiehlt sich eine Gartenschere. Sie eignet sich für Zweige mit einem Durchmesser von bis zu 25 Millimeter. Dickere Verästelungen bis zu 50 Millimeter lassen sich am besten mit einer Astschere trennen. Durch die längeren Griffe können auch höher gelegene Pflanzenteile erreicht werden. Hier gibt es außerdem Modelle mit Teleskopgriff, der die Reichweite nochmals erhöht. Bei sehr starken Stämmen sollten Sie auf eine Astsäge oder gleich eine Kettensäge zurückgreifen.

Für den Baum- und Strauchschnitt in luftiger Höhe lohnt sich die Anschaffung eines Hochentasters oder einer Teleskop-Heckenschere. Die Geräte sind mit Akku-, Elektro- und Benzinantrieb erhältlich. Es gibt auch Multi-Tool-Modelle, bei denen sich der Schneidkopf austauschen lässt, sodass sie beispielsweise als Heckenscheren und Kettensäge eingesetzt werden können.

Grundsätzlich hängt die Wahl des richtigen Gartengeräts von den Baum- und Straucharten sowie der Anzahl der Pflanzen auf Ihrem Grundstück ab. Für wenige Schnitte im Jahr reicht normalerweises handbetriebenes Werkzeug aus, bei häufigen Rückschnitten sind motorbetriebene Geräte sinnvoller.

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Was benötige ich außerdem?

Neben der richtigen Schere und Säge sollten Sie außerdem eine Leiter besitzen, die Ihnen den Zugang zum Baum und Strauch erleichtert. Die abgeschnittenen Zweige und Äste lassen sich anschließend am besten mit Hilfe eines Häckslers zerkleinern und optimal als Mulch nutzen oder auf dem Kompost weiterverwenden.

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An welcher Stelle sollte ich einen Ast abschneiden?

Einen Ast richtig abschneiden
Äste sollten direkt über einem Auge (roter Kreis) abgeschnitten werden

Setzen Sie die Ast- oder Gartenschere immer knapp oberhalb eines Auges an. Befindet sich dort bereits eine Knospe, sollte die Schnittkante auf deren Höhe liegen. So verhindern Sie das eindringen von Krankheitserregern und schützen gleichzeitig den frischen Trieb.

Achten Sie außerdem darauf, nur leicht schräg zu schneiden und eine zu große Schnittfläche zu vermeiden.

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Wie sollten Schnittwunden von Ästen versorgt werden?

Am besten verheilen Schnittwunden im Sommer. Bei robusten Pflanzen ist auch ein Rückschnitt im Winter bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt möglich. Frost sollte dennoch am besten vermieden werden, um eine bessere Wundheilung zu ermöglichen.

Bei kleineren Ästen muss die Wunde häufig nicht extra versorgt werden. Für größere Schnittwunden gibt es spezielle Wundverschlussmittel, die bei der Heilung helfen.

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THEMEN:   Astschere Baumpflege Hochentaster Pflanzenpflege


Autor Rabea Weller

Über den Autor
Rabea Weller

Rabea studiert aktuell Literatur, Kultur und Medien und unterstützt unsere Redaktion mit sehr viel Fachwissen und interessanten Beiträgen zu den unterschiedlichsten Gartenthemen.

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