Gartentiere

Spitzmäuse im Garten: Alles über die kleinen Nützlinge

Mäuse sind eher unliebsame Besucher im Garten. Spitzmäuse gehören allerdings nicht dazu, da sie zu den Insektenfressern zählen und sich überaus nützlich machen. Wir stellen Ihnen den kleinen Gartenützling vor und erklären, warum sie Spitzmäuse nicht aus Ihrem Garten vertreiben sollten.

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Spitzmaus im Garten
Spitzmäuse sind an ihrer langen, spitzen Nase und den kleinen Augen und Ohren gut zu erkennen
Inhaltsverzeichnis

Spitzmaus im Garten

Spitzmäuse (Soricidae) sind eine der artenreichsten Säugetierfamilien. In unseren heimischen Gärten kommen vor allem drei Arten von Weißzahnspitzmäusen (Crocidura) vor: die Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens), die Hausspitzmaus (Crocidura russula) sowie die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Alle Spitzmausarten verzehren bevorzugt Insekten, Larven, Spinnen und Würmer. Mit Hilfe ihrer spitzen Zähne gelingt es der Spitzmaus, Insektenpanzer mühelos zu knacken. Schnecken stehen außerdem auf dem Speiseplan der Insektenfresser (Eulipotyphla).

Wurzeln oder Blumenzwiebeln fressen Spitzmäuse hingegen nur sehr selten an. Da sie keine Nagetiere sondern Insektenfresser sind, gehören Spitzmäuse zu den Nützlingen im Garten. In Abhängigkeit der jeweiligen Jahreszeit variiert auch der Speiseplan von Spitzmäusen etwas. Im Sommer werden vorrangig Würmer und Larven verspeist, im Winter dafür Insekten und Spinnentiere.

Seltener, aber ebenfalls eine in Deutschland vorkommende Spitzmausart, ist die Wasserspitzmaus (Neomys). Sie ernährt sich hauptsächlich von Wasserinsekten und kleinen Fischen.

Schon gewusst?
Spitzmäuse fressen auch die Larven des gefürchteten Japankäfers sowie wirbellose Tiere.

Merkmale und Lebensweise

Gartenspitzmaus
Gartenspitzmäuse und Hausspitzmäuse sehen sich sehr ähnlich und unterscheiden sich lediglich in der Tönung des Fells

Obwohl eine starke Ähnlichkeit zwischen Spitzmaus und der „normalen“ Maus besteht, sind die beiden Gattungen dennoch nicht miteinander verwandt. Denn die Spitzmaus wird der Gruppe der Insektenfresser zugeordnet und ist somit mit Igel und Maulwurf verwandt.

Aussehen

Die Gestalt von Spitzmäusen erscheint zwar auf den ersten Blick mausartig, der Schädel fällt insgesamt jedoch länger aus. Die Augen und Ohren sind hingegen kleiner und liegen manchmal im Fell verborgen. Da Spitzmäuse relativ schlecht sehen können, sind sie vor allem auf ihren Gehör- und Geruchssinn angewiesen. Dazu besitzen sie eine bewegliche, rüsselartige Nase, die vor allem im Herbst von Vorteil ist, um Insekten und Würmer im Laub aufzustöbern. Zwar sind Spitzmäuse keine guten Kletterer, dank ihrer Krallen können sie aber umso besser graben.

Auch ihr Gebiss unterscheidet sich von dem klassischer Mäuse. Manche Arten, wie die Wasserspitzmaus oder die Amerikanische Kurzschwanzspitzmaus, produzieren im Unterkiefer sogar ein Gift, mit dem sie größere Beutetiere wie Frösche, Maulwürfe und Wühlmäuse erlegen können. Sie gehören daher zu den wenigen giftigen Säugetieren.

Eine weitere Besonderheit, die sie mit Fledermäusen und Zahnwalen gemein haben, ist die Echoortung. Durch eine Abfolge sehr hoher Quietschtöne erkunden Spitzmäuse ihren Lebensraum. Bisher unbekannt ist hingegen, ob sie diese Fähigkeit auch zum Aufspüren von Beute einsetzen.

Eigenschaften

Spitzmäuse sind sehr nachtaktive Tiere deren Herz pro Minute zwischen 800 und 1.000 Mal schlägt. Der enorm schnelle Stoffwechsel der Tiere sorgt dafür, dass ihr Energiebedarf entsprechend hoch ausfällt und die Nahrungsaufnahme circa alle drei Stunden erfolgt. Während eines Tages verzehren die Tiere insgesamt mehr als ihr Eigengewicht. Dementsprechend hinterlassen Spitzmäuse recht große Mengen an Kot.

Die Insektenfresser sind das ganze Jahr über unterwegs und halten weder Winterschlaf noch Winterruhe. Um in der Kälte Energie einzusparen, schrumpfen Spitzmäuse während der Wintermonate. Somit sind diese im Winter kleiner als im Sommer. Dabei baut sich die Knochensubstanz erst ab und später wieder auf. Die sogenannten Osteozyten sorgen dafür, dass der Schädel um bis zu 15 % schrumpft. Auf diese Weise gelingt es, den vorherrschenden Energie- und Nahrungsmangel auszugleichen. In diesem Zeitraum reduziert sich auch das Körpergewicht der Spitzmaus. Im darauffolgenden Frühling nehmen Spitzmäuse wieder ihre gewohnte Größe sowie das übliche Körpergewicht an.

Fortpflanzung

Außerhalb der Paarungszeit führen Spitzmäuse ein Leben als Einzelgänger und verteidigen ihr Territorium vehement. Bereits im Alter von rund acht Wochen ist der Nachwuchs weitgehend selbstständig. Sobald die Jungtiere ihr Nest verlassen, beißen sich diese im Schwanz der Mutter bzw. in dem ihrer Geschwister fest. Dieses Verhalten gaukelt Feinden gegenüber ein größeres Tier vor, wodurch diese abgeschreckt werden. Nach etwa 40 Tagen sind Spitzmäuse erwachsen und paarungsbereit. Mit einer Tragezeit von ca. drei Wochen zeugen die Insektenfresser bis zu vier Mal jährlich Nachwuchs. Dabei sind pro Wurf zwischen vier und zehn Junge möglich.

Achtung: Spitzmäuse an sich sind nicht gesundheitsschädlich. Da deren Ausscheidungen gefährliche Krankheiten wie unter anderem den Hantavirus oder den Bornavirus übertragen können, sollten Sie den Tieren dennoch stets mit Bedacht begegnen. Hinzu kommt, dass sich Zecken und Milben im Fell der Spitzmäuse befinden können. Beim Entfernen von Kot sollten Sie aus diesem Grund unbedingt einen Mund-Nasenschutz sowie Handschuhe tragen!

Lebensraum

Spitzmäuse in Haus und Garten
Im Winter ziehen sich Spitzmäuse gerne auch in Häuser zurück, sofern sie dort Nahrung finden

Die Bezeichnung der jeweiligen Spitzmausart lässt bereits auf deren Lebensraum schließen. Bei der Garten-, Feld-, Haus-, Wasser-, Sumpf-, und Waldspitzmaus kommt dies beispielsweise besonders deutlich zum Ausdruck. Während die Wasserspitzmaus schwimmen und tauchen kann, ist die Zwergspitzmaus auch im Wald anzutreffen.

Sehen Sie in Ihrem Garten eine Spitzmaus, handelt es sich überwiegend um die Gartenspitzmaus. Diese Gattung bevorzugt einen geschützten bis schattigen Unterschlupf, welcher auch gerne etwas feucht ausfallen darf. Beliebt sind somit Plätze unter Büschen sowie Stein-, Laub- oder Reisighaufen. Doch auch lockere Steinmauern und Komposthaufen werden gerne als Rückzugsorte angenommen. Letztere werden insbesondere während der kalten Jahreszeit als Unterschlupf genutzt, da der Kompost eine angenehme Wärme enthält.

Fressfeinde

Eulen, zahlreiche Greifvögel sowie Wiesel und Marder gehören zu den gängigen Fressfeinden von Spitzmäusen. Um ihre Feinde abzuschrecken, produzieren die Hautdrüsen der Spitzmäuse ein Sekret mit einem moschusartigen Geruch. Katzen jagen den Tieren lediglich hinterher, ohne sie zu fressen.

Zum Schutz vor möglichen Fressfeinden benötigen Spitzmäuse unbedingt ausreichend Versteckmöglichkeiten. Hierfür kommen alte Wurzelstöcke, Ast- oder Laubhaufen infrage. Immergrüne Pflanzen wie beispielsweise Buchs schützen die Tiere im Winter.

Spitzmaus im Haus

Da Spitzmäuse allgemein sehr scheu sind und im Haus ihre gewohnte Nahrung nicht vorhanden ist, sind diese hier nur selten anzutreffen. Befindet sich eine Spitzmaus dennoch in Ihrem Haus, handelt es sich dabei in erster Linie um ein Versehen.

Lediglich während der Wintermonate kann es vorkommen, dass die ein oder andere Spitzmaus im Haus nach einem Platz zum Überwintern sucht. Dabei sind zwar keine Schäden durch die Tiere zu erwarten, dennoch machen sich diese durch Geräusche, Exkremente sowie einen unangenehmen Geruch bemerkbar.

Sobald Sie ein solches Tier in Ihren eigenen vier Wänden ausfindig machen, empfiehlt es sich, die Spitzmaus möglichst mit einer Lebendfalle einzufangen. Damit sie nicht unmittelbar nach der Freilassung in das Haus zurückkehrt, sollten Sie einen Mindestabstand von 100 Metern einhalten. Geeignete Orte um Spitzmäuse freizulassen sind im Wald oder am Feldrand.

Achtung: Spitzmäuse stehen unter Naturschutz und dürfen somit nicht einfach vertrieben werden. Einige Arten sind sogar vom Aussterben bedroht oder zumindest gefährdet.

THEMEN:   Mäuse Nagetiere Nützlinge Tiere


Autor Carina Staiger

Über den Autor
Carina Staiger

Nach Wirtschaftsabitur und Ausbildung hat sich Carina für das Leben als freie Texterin entschieden. Mit ihrem Fachwissen zu den unterschiedlichsten Gartenthemen berät und unterhält sie unsere Leser.

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