Umweltschutz

Torffreie Erde: Warum Sie auf Torf verzichten sollten

Ein Großteil der im Handel erhältlichen Gartenerde enthält Torf, der in Mooren abgebaut wird. Dabei werden artenreiche Lebensräume und wertvolle Speicher für Treibhausgase zerstört. Wir erklären Ihnen, warum Sie auf Torferde verzichten können und wie Sie Ihre Pflanzen mit torffreier Erde richtig pflegen.

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Torffreie Blumenerde im Beet verwenden
Torf hat gewisse Vorteile - dennoch sollten Sie der Umwelt zuliebe ausschließlich torffreie Blumenerde kaufen
Inhaltsverzeichnis

Vorteile von Torf

Ein großer Teil von Blumenerde, die Sie in Gartencentern und Baumärkten erwerben können, verfügt über einen Torfanteil von rund 90 Prozent. Torf offeriert dabei einige Vorteile für die Pflanzenpflege, zu denen unter anderem die folgenden zählen:

  • Hohe Speicherkapazität für Wasser
  • Niedriger pH-Wert
  • Geringer Nährstoffgehalt
  • Stabile, lockere und durchlässige Struktur

Neben diesen Vorteilen lässt sich Torf durch den Zusatz von Kalk an die Bedürfnisse von nahezu allen Pflanzen anpassen. Da der Stoff zudem nährstoffarm ausfällt, können Gartenfreunde die Erde durch den Zusatz von Nährstoffen optimal an die jeweiligen Pflanzenbedürfnisse anpassen.

Pflanzen wie Heidelbeeren, Hortensien oder Rhododendren, die einen sauren und nährstoffarmen Untergrund bevorzugen, profitieren also von torfhaltiger Blumenerde. Trotz der genannten Vorteile verfügt Torf jedoch über zahlreiche Nachteile, so dass Freunde der Nachhaltigkeit unbedingt torffreie Erde wählen sollten.

Nachteile von Torf

Torf stammt aus Mooren

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Torf um eine Form von Erde, die über lange Zeit hinweg in Mooren entsteht. Im Wesentlichen besteht sie aus Pflanzenresten, die aufgrund der speziellen Eigenschaften von Mooren nicht vollständig zersetzt werden. Zur Entstehung des Stoffs trägt die ständige Übersättigung mit Wasser bei, die am Boden der Moore einen Sauerstoffmangel entstehen lässt.

Um Torf als Zusatz für Gartenerde zu gewinnen, werden Moore mithilfe spezieller Entwässerungskanäle trockengelegt. Diese Trockenlegung ist mit einer Zerstörung gleichzusetzen, da sich die Gebiete in der Regel nicht mehr erholen. Das Problem: Die Torfschicht am Boden von Mooren wächst in einem Jahr rund einen Millimeter. Bis eine Torfschicht mit einer Höhe von rund einem Meter entsteht, vergehen also rund 1.000 Jahre.

Durch das langsame Wachstum von Mooren und den stetigen Torfabbau, der in kurzer Zeit geschieht, werden nicht nur die betroffenen Abbaugebiete zerstört. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum, zu denen unter anderem Sonnentau, Mooreidechse, Moorfrosch und Insekten wie auf Moore spezialisierte Libellen und Schmetterlinge gehören. Durch den Torfabbau wurden allein in Deutschland bereits 95 Prozent dieser Lebensräume zerstört.

Moore speichern große Mengen an Kohlenstoffdioxid

Der Torfabbau wirkt sich nicht nur auf die Zerstörung wertvoller Lebensräume aus, sondern unterstützt gleichzeitig den Klimawandel. Moorböden dienen nämlich als eine Art Schwamm, der schädliche Klimagase für lange Zeit speichert. Sie speichern einen knapp doppelt so hohen Anteil an Kohlenstoffdioxid, wie alle Wälder weltweit aufnehmen können, und enthalten rund ein Drittel aller erdgebundenen Kohlenstoffvorräte.

Kommt während der Trockenlegung der Moore Torf mit Sauerstoff in Berührung, werden große Mengen an schädlichen Klimagasen freigesetzt. Diese umfassen unter anderem Kohlenstoffdioxid, Stickstoff und Methan. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 40 Millionen Tonnen an Treibhausgasen durch zerstörte Moorgebiete freigesetzt.

Pflanzen lassen sich problemlos ohne Torf pflegen

Torfabbau und Gemüseanbau ohne Torf
Durch Torfabbau werden große Moorflächen zerstört, dabei wird Torf für die Pflanzenpflege nicht benötigt

Torfhaltige Erde ist schlecht fürs Klima und trägt zur Zerstörung wichtiger sowie artenreicher Lebensräume bei. Hinzu kommt, dass sich Zimmer- und Gartenpflanzen auch ohne Torf optimal pflegen lassen.

So verfügt Torf zwar über eine hervorragende Wasserspeicherkapazität, nimmt nach einer Austrocknung aber nur sehr schwer wieder Feuchtigkeit auf. An heißen Sommertagen kann es daher passieren, dass Gartenpflanzen aufgrund von Trockenheit eingehen. Darüber hinaus besitzt Torf einen sehr geringen Sauerstoffgehalt, so dass teilweise zu wenig Sauerstoff an die Pflanzenwurzeln gelangt. Schwarztorf verliert zudem schnell an Volumen und fällt im Laufe der Zeit in sich zusammen. In der Folge kann es zu einer verschlechterten Durchlässigkeit des Bodens und der Bildung von Staunässe kommen.

Da torfhaltige gegenüber torffreier Erde nur wenige Vorteile für die Pflanzenpflege bereithält, können Freunde der Nachhaltigkeit mit gutem Gewissen auf Torfzusätze verzichten. Auf diese Weise verhindern Sie nicht nur die Zerstörung von Moorgebieten und artenreichen Lebensräumen, sondern unterstützen gleichzeitig den Umweltschutz.

Torffreie Erde als nachhaltige Alternative

Torffreie Erde enthält ihrem Namen entsprechend keine Torfzusätze. In der Regel besteht sie aus Rinden- oder Grüngutkompost, Rindenhumus und Holzfasern. Einigen Varianten werden Kokosfasern beigemischt, die zu einer optimalen Bodenstruktur beitragen und Luftdurchlässigkeit sowie Wasserspeicherkapazität verbessern. Tonminerale tragen als weiterer Zusatz ebenfalls zu einer optimalen Wasserspeicherung bei und dienen gleichzeitig als Naturdüngemittel.

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Pflanzenpflege mit torffreier Erde

Gegenüber torfhaltiger Erde speichern torffreie Alternativen etwas weniger Wasser. An warmen Tagen empfiehlt sich daher eine regelmäßige Kontrolle der Bodenfeuchtigkeit und eine Bewässerung nach Bedarf. Um den Nährstoffgehalt zu erhöhen, können Sie außerdem auf Kompost und stickstoffhaltigen Dünger wie Hornspäne zurückgreifen.

Durch den Zusatz von Tongranulat lässt sich die Speicherkapazität für Wasser und Nährstoffe erhöhen, während die Bodenstruktur gleichzeitig stabiler ausfällt. Um einen sauren pH-Wert zu erreichen, stehen Ihnen Kompost aus Fichten-, Kiefern- oder Tannennadeln zur Verfügung. Alternativ lassen sich Kaffeesatz oder zerkleinertes Eichenlaub verwenden.

Torffreie Erde kaufen: Darauf sollten Sie achten

Blumenerde ohne Torfanteil
Achten Sie beim Kauf neuer Garten-, Blumen- oder Anzuchterde unbedingt darauf, dass sie keinen Torf enthält © mein Gartenexperte

Torffreie Erde können Sie mittlerweile in nahezu jedem Gartencenter, Baumarkt oder auch online erwerben. Damit auch wirklich kein Torf enthalten ist, sollten Sie auf die Bezeichnung jedoch ein besonders kritisches Auge werfen. Häufige Bezeichnungen umfassen dabei die folgenden Hinweise:

  • torffrei
  • ohne Torf
  • torfarm
  • torfreduziert

Bei Blumenerde, die mit den Bezeichnungen "torffrei" oder "ohne Torf" betitelt wird, handelt es sich tatsächlich um Erde, die ohne einen Zusatz der Moorerde auskommt. Steht auf der Verpackung hingegen "torfarm" oder "torfreduziert", ist Torf enthalten. Oftmals wurde der Anteil leicht reduziert und macht statt der ursprünglichen 90 Prozent rund 70 Prozent der Erde aus.

Neben den genannten Bezeichnungen findet auch der Hinweis auf "Bio-Erde" Verwendung. In den meisten Fällen sagt dieser Hinweis jedoch nichts über den Torfgehalt aus, so dass sich auch in "Bio-Erde" ein hoher Anteil an Torf wiederfindet. Wenn Sie im heimischen Garten Erde ohne Torfanteil verwenden möchten, sollten Sie also immer auf "torffreie" Blumenerde oder Erde "ohne Torf" zurückgreifen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Torf?
Warum ist Torf schlecht?
Ist torffreie Erde eine gute Alternative?

THEMEN:   Erde Umweltschutz


Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum Werbetexter und Konzeptioner. Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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