Gartentipps

Umweltschutz im Garten: Tipps für Maßnahmen und Verhalten

Selbst ein kleiner Garten kann ein sehr machtvolles Instrument sein, um darin der lokalen Natur, unserer Umwelt und sogar dem Klima unter die Arme zu greifen. Ebenso ist es jedoch bei falschem Vorgehen möglich, das Gegenteil zu erzielen und den Garten zu einem regelrechten Problemfall zu machen. Wir zeigen, wie sich ersteres erreichen lässt.

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Steinstufen im Garten
Mit dem eigenen Garten der Natur, dem Klima und der Umwelt helfen ist deutlich leichter, als viele annehmen
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigste Regel: Verzichten Sie auf Eintönigkeit

Was ist eines der am leichtesten sichtbaren Merkmale einer ursprünglichen Naturlandschaft, beispielsweise in einem Urwald? Es ist die völlige Abwesenheit jeglicher Einseitigkeit. Mutter Natur ist in dieser Beziehung eine sehr große Freundin von Vielfalt, die streckenweise schon leicht anarchisch wirken kann. Aber: Diese Vielfalt existiert nicht um ihrer selbst willen, sondern weil jedes einzelne Bausteinchen in diesem Ökosystem einen festen Platz hat, durch den erst das gesamte System vollständig funktionieren kann.

Unter dieser Prämisse ist jeder Garten, der monokulturell aufgebaut ist, ein schwerer Verlust. Egal ob es sich nur um Rasen handelt, ausschließlich um Gemüsebeete oder sich einzig Sträucher dort finden. Selbst die EU hat die Nachteile erkannt und plant, Europa wieder wilder zu machen.

Ein guter, ursprünglicher Garten ist wie ein Eintopf mit vielen köstlichen Zutaten. Sorgen Sie dementsprechend dafür, dass hier möglichst viele zusammengehörige Pflanzen gleichsam existieren und lassen Sie ein möglichst naturnahes Leben zu.

Setzen Sie auf Strom und Muskelkraft

In jedem Bau- und Gartenmarkt gibt es ein wahres Füllhorn an Gartengeräten und -fahrzeugen, die per Verbrennungsmotor angetrieben werden. Was dies für Nachhaltigkeit im Kleinen und Großen bedeutet, können Sie sich vielleicht vorstellen. Es sind schließlich nicht nur die lokalen Abgase, es ist die Gesamtheit bis zur Erdölförderung. Der Verzicht auf derartiges Gerät wirkt deshalb auf mehreren Ebenen.

Natürlich wäre die in dieser Hinsicht beste Option, nur noch auf muskelbetriebene Werkzeuge zu setzen. Nebenbei würde dies für ein perfektes Workout sorgen. Allerdings ist es verständlich, wenn Sie nicht die nötige Zeit oder körperliche Leistungsfähigkeit dafür aufbringen können - gerade bei einem größeren Garten würde dies rasch zu einem Vollzeitjob werden.

Wenn es jedoch kraftbetriebene Geräte sein sollen, dann bitte solche mit Strom. Allerdings ist auch dieser nur so nachhaltig, wie die Quelle, aus der er stammt. Insbesondere, wenn Ihr Garten dicht an Ihrem Wohnhaus liegt oder es anderweitig größere Dachflächen gibt, sollten Sie daher über eine Photovoltaikanlage nachdenken. Mit einer korrekten Vorplanung und Verständnis der Materie können Sie mehr als nur Ihren Strombedarf im Garten decken. Pro zehn Quadratmeter Dachfläche können Sie mit einem Kilowatt Peak-Leistung rechnen. Das ist beispielsweise fast genug, um einen Einpersonenhaushalt zu versorgen.

Wichtig: Unterlassen Sie es jedoch unbedingt, den Garten nachts künstlich zu beleuchten. Derartige Lichtverschmutzung ist in Europa schon ein enormes Problem, das durch jede einzelne kleine LED-Leuchte weiter verschlimmert wird - und es betrifft jeden pflanzlichen und tierischen Bewohner Ihres Gartens negativ.

Entfernen Sie alle Neophyten

Lupine im Garten
Schön, aber leider fremd und invasiv: Auf Gewächse wie die Lupine sollten Sie im Garten verzichten, da sie einheimische Arten stark verdrängen

Gibt es in Ihrem Garten solche schönen Gewächse wie die Heraklesstaude, die Robinie oder die Lupine? Dann müssen Sie leider einsehen, dort Fremdlinge zu beherbergen, die problemlos imstande sind, die ursprüngliche Biodiversität in Deutschland durch Verdrängungsmechanismen zu zerstören.

Die Rede bei diesen Pflanzen ist von Neophyten. Darunter fällt letztlich alles, was nicht an seinem jeweiligen Standort heimisch ist - es ist eine ziemlich beeindruckende Liste. Zwar gehören strenggenommen auch wichtige importierte Pflanzen wie nicht zuletzt die Kartoffel dazu. Problematisch werden Neophyten jedoch erst, wenn sie einheimische Arten durch einen evolutionären Vorteil verdrängen, also invasiv sind. Hiergegen sollten Sie folgendermaßen angehen:

  • Lesen Sie sich in das Thema ein, um die Pflanzen überhaupt erkennen zu können.
  • Entfernen Sie sie durch Ausgraben, um möglichst alle Wurzeln zu entfernen.
  • Verbrennen Sie entweder die Reste oder entsorgen Sie sie über den Restmüll - keinesfalls die Biotonne oder den Kompost.

Nur dann können Sie Ihren Garten nachhaltig bereinigen. Allerdings müssen Sie sich auf einen ständigen Kampf gefasst machen. Es genügt ein Samenkorn im Gefieder eines fliegenden Gartenbesuchers und der Kreislauf beginnt erneut.

Nutzen Sie ausschließlich samenfestes Saatgut

Wenn Sie Hobbygärtner sind, dann gehört es höchstwahrscheinlich zu Ihren jährlichen Frühlingsaufgaben, im Fachhandel Tütchen mit Saatgut zu erwerben. Schließlich möchten Sie ja Tomaten, Zwiebeln und andere Leckereien ernten können.

Bei dieser Gelegenheit sollten Sie jedoch nie darauf verzichten, einen sehr genauen Blick auf die Umverpackung zu werfen. Steht dort F1 Hybride, sollten Sie sie im Regal lassen. Denn bei diesen Züchtungen, die leider längst die Masse des verkauften Saatguts ausmachen, handelt es sich immer nur um einjährig nutzbare Pflanzen.

Hierbei werden genetisch Elternpflanzen gekreuzt, um einen Nachkommen mit überlegenen Eigenschaften zu bekommen, beispielsweise deutlich größere Früchte. Das Problem an der Sache: Nutzen Sie die Samen der daraus entstandenen Pflanze im Folgejahr, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Nachkommen alle positiven Eigenschaften wieder verloren haben - sofern die Samen überhaupt keimfähig sind. Sie müssen also jedes Jahr neues Saatgut kaufen, die Hersteller werden reich, die natürliche Ursprünglichkeit dagegen arm.

Für maximale Nachhaltigkeit sollten Sie ausschließlich Saatgut kaufen, das Begriffe wie samenfest, alte Sorte oder reinerbig trägt - sowas finden Sie eher bei anderen Gärtnern sowie im echten Fachhandel. Das sind klassische Züchtungen, die sich selbst vermehren und über mehrere Generationen immer dieselben Eigenschaften besitzen. Sie können also immer auch Saatgut ernten und im Folgejahr erneut verwenden.

Denken Sie den Begriff „Gartenabfall“ viel breiter

Pilz an einem toten Baumstamm
Praktisch jeder Gartenabfall ist dazu geeignet, ein Lebensraum für andere Gartenbewohner zu werden

Der gute Gartenbesitzer hat einen Komposthaufen, auf den er alles wirft, um daraus neue und sehr hochwertige Gartenerde zu gewinnen. Für einen gesunden Gartenkreislauf und Schutz von Mooren vor Zerstörung zwecks Herstellung von Gartenerde ist das sehr löblich.

Allerdings sollten Sie diesbezüglich deutlich breiter denken. Denn in ursprünglicher Wildnis herrscht ein immerwährender Kreislauf. Alles, was dort existiert, ist darin eingebunden. Nichts verlässt das Biotop, alles hat einen Sinn.

  • Dickere Äste von regelmäßigen Pflegeschnitten,
  • dünner Reisig, der immer wieder anfällt,
  • Steine, die beim Umgraben aus der Erde geholt werden,

all das und noch mehr können Sie ebenfalls nutzen, um einen solchen Kreislauf zu erhalten. Die dickeren Äste geben, zu Pyramiden aufgestapelt, einen hervorragenden Lebensraum für Insekten und größere Tiere ab. Die Steine werden auf einem losen Haufen zum Heim für Salamander und ähnliche Lebewesen. Selbst der Reisig kann, zu einer sogenannten Benjes-Hecke aufgeschichtet, mit den Jahren durch Einfang von Samen wieder zu einer lebenden und wunderschönen Hecke werden - während untendrunter gut geschützt Igel und andere Tiere überwintern.

Sie benötigen im Garten keine gekauften Insektenhotels, keine speziellen Überwinterungshäuschen. Alles, was Sie brauchen, finden Sie vor Ort vor. Der sehr angenehme Nebeneffekt: Sie haben viel weniger Arbeit mit dem Verwerten.

Bekämpfen Sie keinen Gartengast

Warum Sie Neophyten bekämpfen sollten, haben Sie bereits erfahren. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch wirklich um die einzige Lebensform, die Sie nicht im Garten gestatten sollten. Alles andere sollten Sie akzeptieren. Ja, das gilt sogar für alles, was wir landläufig unter dem Begriff Schädlinge und Unkräuter kennen.

Es gibt, letzten Endes, immer eine naturbelassene Maßnahme, diese (nur vom Menschen) unerwünschten Gäste von den wirklich wertvollen Teilen des Gartens fernzuhalten - meistens dem Gemüsebeet. Niemals sollten Sie jedoch auf Chemie oder Ähnliches setzen, das alles gelangt über kurz oder lang über das Gartengemüse auf Ihren Teller.

Tatsächlich sollten Sie eine solche Politik von „leben und leben lassen“ sogar bei echten Störenfrieden wie dem Maulwurf walten lassen. Denn der verspeist nicht nur unterirdisch lebende Schadinsekten, die sich an Ihrem Gemüse bereichern wollen, er lockert überdies vollkommen kostenlos Ihren Boden auf und ist sogar ein Qualitätsgarant: Maulwürfe gehen nur dorthin, wo der Boden wirklich frei von Schadstoffen ist. Heißen Sie ihn also willkommen, denn er ist ein lebendes Lob für die Natürlichkeit Ihres Gartens.

Übrigens…

Mit den genannten Maßnahmen können Sie sehr viel dazu beitragen, in Ihrem Garten Klima, Umwelt und Natur zu schonen. Wenn Sie aber noch mehr tun möchten, dann sollten Sie einfach weniger tun. Denn je mehr Sie sich zurücklegen und es zulassen, dass der Garten dort verwildert, wo er keine Funktion für Sie hat, desto natürlicher und ursprünglicher wird er. Und das ist ja letzten Endes das große Ziel aller Bestrebungen.

THEMEN:   Klimawandel Umweltschutz


Autor Frank Gerlach

Über den Autor
Frank Gerlach

Als gelernter Landschaftsgärtner hat Frank ein Faible für nützliche Gartengeräte aller Art. Daher testet und schreibt er für sein Leben gern über Rasenmäher, Heckenscheren und Co. Seine Ideen im Landschaftsbau wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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