Motorisierte Gartengeräte

Selbstfahrende Gartenhelfer im Systemvergleich

Im Garten gibt es immer etwas zu tun. Gut, dass die Industrie uns mit selbstfahrenden Geräten versorgt, die nicht nur äußerst leistungsfähig sind, sondern auf denen der Bediener sogar Platz nehmen kann. Doch was sind die Features von Aufsitzmähern, Einachstraktoren und Minitraktoren? Welche Vor- und Nachteile führen sie ins Feld und vor allem: Welcher Gärtner benötigt sie?

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Motorisiertes Gartengerät
Motorisierte, selbstfahrende Gartengeräte erleichtern die Gartenarbeit enorm
Inhaltsverzeichnis

Selbstfahrende Helfer im Überblick

Wie Sie beim Durchstöbern unserer Seite feststellen können, ist die Welt der Gartengeräte gigantisch. Kein Wunder, denn es gibt nicht nur verschiedenste Aufgaben zwischen Astschnitt und Zaunarbeiten, die Spezialwerkzeuge benötigen. Es gibt zudem häufig innerhalb einer Werkzeuggruppe verschiedene Herangehensweisen - so könnten Sie beispielsweise eine Wiese per Sense bearbeiten, einen manuellen oder motorbetriebenen Rasenmäher nutzen oder auf einen Mähroboter vertrauen.

Bei den drei hier präsentierten Systemen ist es ähnlich. Sie müssen im Vorfeld einige Tatsachen und Gemeinsamkeiten kennen, um sie korrekt einzuschätzen:

  • Sie sind preislich in höheren bis höchsten Bereichen angesiedelt; tatsächlich gibt es nur wenige andere Gartengeräte, die so kostspielig sind. Sollten Sie das nötige Geld nicht selbst aufbringen können und einen Kredit benötigen, so deshalb ist ein umfassender Vergleich von Angeboten und Erfahrungen dringend angeraten; wir sprechen von mehreren tausend Euro.
  • Es gibt sie bis auf sehr wenige Ausnahmen, die wegen ihrer Seltenheit hier nicht berücksichtigt werden, nur mit Verbrennungsmotoren. Also entweder Diesel oder Benzin.
  • Die Fahrzeuge sind äußerst leistungsfähig. Deshalb benötigen Sie jedoch Expertise und eine gesunde Portion Vorsicht bei der Bedienung.

Last but not least müssen Sie verstehen, dass diese drei Helfer komplex sind. Das heißt, viele Wartungsarbeiten, die Sie bei einfacheren Gartenhelfern selbst durchführen können, werden Sie hier wahrscheinlich Profis anvertrauen müssen. Überdies sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass Sie etwas mehr Platz benötigen, um die Vehikel (und ihre Anbaugeräte) zu lagern. Je nach Einsatzzweck kann es mitunter sogar erforderlich sein, dass ein passender Führerschein vonnöten ist – zumindest dann, wenn Ihr rollender Helfer den Privatgarten verlassen soll.

Aufsitzmäher

Aufsitzmäher auf Rasenfläche
Aufsitzmäher und die artverwandten Rasentraktoren sind Ihre beste Anwort, wenn es um das Beherrschen großer Rasenflächen geht

Unter diesem Begriff werden alle Formen von Rasenmähern bezeichnet, bei denen der Bediener aufsitzt und durch Betätigen verschiedener Bedienelemente alle Parameter selbst justiert. Den meisten Formen von Aufsitzmähern ist es gemein, dass sie mit Lenkrad und Pedalen ganz ähnlich wie ein Auto gesteuert werden. Nur einige wenige Exemplare vertrauen auf eine Hebelsteuerung, diese finden sich jedoch eher im professionellen Landschaftspflegebereich.

Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal den Begriff des Rasentraktors gehört. Im Prinzip ein Fahrzeug mit denselben Aufgaben, jedoch einigen Unterschieden:

  • Aufsitzmährer: Bei ihnen liegt der Motor unter dem Fahrersitz oder etwas dahinter. Sie sind konstruktiv beträchtlich wendiger, können teils sogar auf der Stelle kehrtmachen. Dies kommt jedoch zum Preis einer geringeren Schnittbreite und Motorleistung.
  • Rasentraktoren: Sie ähneln in ihrem gesamten Aufbau viel mehr einem vollwertigen Traktor im Kleinformat. Ihre Leistung ist größer als die von Aufsitzmähern und sie sind dafür gedacht, sehr große Flächen bis zu mehreren tausend Quadratmetern zu bearbeiten.

Allerdings haben beide Fahrzeuge dieselbe Limitierung: Sie sind voll und ganz auf das Rasenmähen und gegebenenfalls Mulchen zugeschnitten. Typische Zweitverwendungen bestehen höchstens im Ziehen kleinerer Anhänger und mitunter dem Anbau einer Schneeschaufel. Andere Aufgaben können die wenigsten Modelle bewältigen, wobei hervorzuheben ist, dass die Grenze zwischen größeren Rasentraktoren und Mini-Traktoren fließend ist. Üblicherweise müssen Sie davon ausgehen, dass diese Gefährte nicht straßentauglich sind.

Wann lohnt sich der Kauf?
Sobald Sie Rasenflächen oder Wiesen mähen müssen, die deutlich größer als 500 Quadratmeter sind, ist in jedem Fall die Anschaffung einer dieser Alternativen angebracht. Je größer ihr Garten und je weniger kleinteilig er ist, desto eher sollten Sie in Richtung Rasentraktor tendieren - dies als grober Näherungswert.

Rasentraktoren / Aufsitzmäher im Vergleich »

Einachstraktoren

Einachsschlepper im Gartenbeet
Einachsschlepper können von Anhängern über Pflüge bis Fräsen sehr viele Gartenwerkzeuge antreiben und sind deshalb äußerst multifunktionell © Agria-Werke GmbH - Wikimedia | CC BY-SA 4.0

Wenn Ihnen dieser Begriff nicht geläufig ist, dann ist dies kein Wunder. Erstens sind Einachstraktoren in heutigen Gärten etwas selten geworden. Zweitens liegt das daran, dass diese Arbeitsmaschinen regional sehr häufig einen Markennamen als Gattungsbegriff besitzen - vornehmlich Agria, Hako oder Holder, nach den bedeutendsten (deutschen) Herstellern.

Technisch korrekt wäre es sogar, von einem Einachsschlepper zu sprechen oder einer einachsigen, selbstfahrenden Arbeitsmaschine. Kern des Geräts: Es handelt sich um ein Fahrzeug, das ganz ähnlich wie eine Motorhacke beziehungsweise Gartenfräse aufgebaut ist - nur größer, schwerer, leistungsfähiger und viel multifunktioneller.

Obenauf sitzt dementsprechend der Motor. Dieser treibt über ein Getriebe mit mehreren Gängen eine darunterliegende Achse mit zwei Rädern an. Typischerweise gibt es Bedienvorrichtungen, die es erlauben, nur ein Rad anzutreiben, um das Gefährt mit weniger Kraftaufwand wenden zu können. Ein Rückwärtsgang gehört überaus häufig dazu.

Grund für all das ist, dass es sich beim Einachser um eine Art selbstfahrendes Schweizer Taschenmesser für den Garten handelt.

  • Anhänger ziehen
  • Fräsen / Häckseln
  • Pflügen
  • (Balken)Mähen
  • Schneefräsen und -schieben

All das ist mit entsprechenden Anbaugeräten möglich. Vielfach geht sogar bedeutend mehr, weil die allermeisten Einachstraktoren mindestens eine (meist genormte) Zapf- oder Nebenwelle aufweisen. Diese besitzt eine eigene Kupplung, über die sie unabhängig vom Radantrieb mit dem Motor verbunden ist. Höherwertige Einachser verfügen sogar über je eine Zapfwelle vorn und hinten und die Fähigkeit, den Lenkholm umzudrehen.

Dadurch ist es möglich, sich mit dem Einachser ein „Einer für alles“-Gerät anzuschaffen, das selbst unter Einbeziehung des nötigen Kaufs der Anbaugeräte günstiger ist als der Kauf entsprechender Stand-Alone-Geräte. Abermals sind hier die Grenzen zum Traktor fließend. Das altehrwürdige (ausgesprochen große) Modell Holder E12 war beispielsweise technisch sehr dicht mit dem hauseigenen Kleintraktor B12 verwandt.

Der maßgebliche Unterschied: Beim Einachser kommt es auf das Anbaugerät an, ob Sie aufsitzen oder im Betrieb laufen müssen. Nur mit Anhänger oder Radkarre („Sulky“) ist es ein Aufsitzfahrzeug - das aber selbst dann mit den Holmen und teils beträchtlichem Kraftaufwand gelenkt wird.

Die einzige echte Limitierung betrifft Sie persönlich vielleicht gar nicht: Bis Mitte der 00er Jahre war es relativ leicht möglich, Einachser mit Anhänger oder Sulky im Straßenverkehr zu fahren. Nach einigen Gesetzesänderungen ist dies jedoch mit neueren Modellen kaum noch möglich, zumindest nicht für Privatleute. In der Folge zeichnen sich heutige Einachser dadurch aus, dass es ihnen an echten Schnellgängen mangelt - mehr als 6 km/h sind kaum drin, wo es ältere Einachschlepper durchaus auf 20 und mehr brachten.

Für Sie bedeutet dies: Wenn Sie mit dem Einachser generell längere Strecken im Garten fahren wollen oder über öffentliche Routen fahren möchten, müssen Sie wahrscheinlich auf ein Gebrauchtgerät zurückgreifen - wenn dieses vor dem 1.3.2007 gebaut wurde, genießt es Bestandschutz und kann gemäß § 50 FZV zugelassen und auf öffentlichen Straßen bewegt werden.

Wann lohnt sich der Kauf?
Wenn Sie einen vielseitig verwendeten großflächigen und vielleicht verwinkelten Garten mit sehr großen Beeten besitzen und generell viele mechanisierte Arbeiten dort durchführen möchten. Interessant ist diese Wahl zudem, wenn Ihr Garten abseits liegt und Sie ihn mit einem vielseitig verwendbaren Transportfahrzeug erreichen möchten, das große Lasten bewegen kann.

Minitraktoren

Kleintraktor beim Rasenmähen
Kleintraktoren sind nur im Vergleich mit anderen Traktoren „mini“ - für Privatgärtner stellen sie den Gipfel der Leistungsfähigkeit und vielfältiger Einsetzbarkeit dar

Der Mini- oder Kleintraktor beginnt dort, wo der große Rasentraktor endet, und hat kein integriertes Mähwerk. Das heißt, wir haben es aus technischer Sicht mit einem „richtigen“ Traktor zu tun, der jedoch (vergleichsweise) kompakte Abmessungen besitzt.

Was den Minitraktor vom Einachser abhebt, ist die Tatsache, dass es sich in jeder Konstellation mit jedem Anbaugerät um ein Aufsitzfahrzeug handelt. Sie sitzen also immer hinter dem Lenkrad, egal ob Sie mähen oder pflügen und der Traktor rollt immer auf vier Rädern.

Leistungsmäßig stellen Minitraktoren den Gipfel der hier vorgestellten Geräte dar. Zweistellige PS-Zahlen sind absoluter Standard, einige Fahrzeuge sind sogar richtige „Kraftpakete“ mit dreistelligen Werten. Was Kleintraktoren weitergehend von Rasentraktoren und Einachsern unterscheidet, ist folgendes:

  • Minitraktoren sind in praktisch jeder Konstellation serienmäßig dazu geeignet, regulär zugelassen und auf öffentlichen Straßen bewegt zu werden.
  • Vor allem moderne Kleintraktoren verfügen oft über einen Allradantrieb. Er erhöht den Vortrieb nochmals, was vor allem bei echter Feldarbeit ein riesiger Vorteil ist.
  • Kleintraktoren verfügen nicht nur über Zapfwellen, sondern sehr häufig ein Hydrauliksystem, was die Anbaumöglichkeiten nochmals stark erweitert. Zudem können sie durch genormte Anschlüsse vieles aufnehmen und antreiben, was für größere Traktoren gedacht ist – Limitiert nur durch Gewicht, Hydraulikdruck und -förderleistung sowie Motorleistung.
  • Viele Modelle kommen entweder serienmäßig oder als Extra mit einer Frontladeeinrichtung. Sie können damit also sogar die Aufgaben eines Baggers oder Gabelstaplers wahrnehmen.

Natürlich muss Ihnen bewusst sein, dass diese extrem leistungsfähigen Geräte auch einen preislichen Gipfel darstellen. Selbst gebrauchte Geräte kosten häufig fünfstellig; neue Minitraktoren kosten sogar schnell den Gegenwert eines Mittelklasse-PKW.

Wann lohnt sich der Kauf?
Wenn bei ihnen die Gartenarbeit eher schon in Richtung Landwirtschaft tendiert und Sie Flächen bearbeiten müssen, die sich anderweitig nicht mehr rational handhaben lassen. Allerdings auch dann, wenn Sie einen sehr starken Fokus Richtung Brennholz-Selbsterwerb setzen und häufig größere Holzmengen aus dem Forst holen müssen.

THEMEN:   Gartengeräte Rasenmäher Technik


Autor Matthias Giller

Über den Autor
Matthias Giller

Matthias ist der Technik-Freak im Team und vereint am liebsten die Garten- und Pflanzenwelt mit technischen Spielereien wie Mährobotern und anderen Automationen. Seine Ausbildung absolvierte der IT-Fachmann bei einem bekannten Gartengerätehersteller.

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