Lautlose Nachtjäger

Fledermäuse im Garten ansiedeln

In der Dämmerung jagen Fledermäuse lautlos durch die Lüfte und erbeuten zahlreiche Insekten. Ihr Lebensraum wird jedoch immer kleiner, sodass die nachtaktiven Säugetiere nur schwer Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten finden. Wir haben fünf Tipps für einen fledermausfreundlichen Garten zusammengefasst.

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Fledermaus am Baum
Fledermäuse sind nachtaktiv - nach dem Winterschlaf jagen sie vereinzelt aber auch tagsüber nach Insekten
Inhaltsverzeichnis

Heimische Fledermäuse sind bedroht

In Deutschland leben rund 25 verschiedene Fledermausarten, die allesamt auf der Roten Liste stehen und sogar teilweise vom Aussterben bedroht sind. Umso wichtiger ist es, die nachtaktiven Säugetiere mit einem fledermausfreundlichen Garten zu unterstützen. Dass eine einzelne Fledermaus pro Nacht bis zu 4.000 Insekten vertilgen kann, dürfte dabei so manchen Hobbygärtner erfreuen.

Da der Lebensraum der lautlosen Nachtjäger zunehmend schwindet, sind sie unter anderem auf naturnahe Gärten angewiesen. In diesen finden sie nicht nur Nahrung, sondern auch einen Unterschlupf. Geschützte Quartiere nutzt die Fledermaus zum Überwintern, Schlafen und Paaren sowie als Schutz vor Feinden.

Die Reviere von Fledermäusen sind weitläufig und umfassen sowohl ein Jagdrevier als auch ein Sommer- und Winterquartier, zwischen denen die nachtaktiven Nützlinge wechseln. Die Ansprüche an den Lebensraum variieren dabei je nach Fledermausart und reichen von Wäldern über Heidelandschaften bis hin zu stehenden Gewässern.

Aufgrund der Witterung halten alle in Europa vorkommenden Fledermausarten Winterschlaf. Wie auch zum Schlafen ziehen sie sich hierfür in Baumhöhlen, Felsspalten, Mauernischen oder auf Dachböden zurück. Im Garten lassen sie sich daher nur in Sommernächten erblicken, während sie im Flug nach Insekten jagen.

Fledermäuse im Garten ansiedeln

Fledermaus im Flug
Als Insektenjäger sind Fledermäuse gerngesehene Gartenbesucher © Dietmar Nill - Wikimedia | CC BY 2.5

In vielfältigen Naturgärten mit einem reichen Nahrungsangebot fühlen sich Fledermäuse am wohlsten. Anstelle eines englischen Rasens bevorzugen sie heimische Stauden und artenreiche Wiesen, die eine Vielzahl an nachtaktiven Insekten anlocken. Darüber hinaus wissen sie Verstecke und Gartenteiche zu schätzen. Wir haben fünf Tipps, wie Sie einen fledermausfreundlichen Garten gestalten können.

Tipp 1: Nachtaktive Insekten anlocken

Die meisten Fledermäuse sind reine Insektenfresser. Lediglich ein paar wenige Arten, die in den Tropen und Subtropen beheimatet sind, ernähren sich von Nektar und Früchten. Ein fledermausfreundlicher Garten sollte für europäische Fledermäuse daher über ein großes Insektenangebot verfügen. Zu den Leibspeisen einer Fledermaus zählen Insekten wie Mücken, Fliegen und Nachtfalter. Diese lassen sich durch die passende Bepflanzung in den Garten locken, die vor allem nachtblühende Pflanzen umfassen sollte. Neben Nachtkerze, Leimkraut, Geißblatt, Phlox und Lichtnelke bieten sich auch Kräuter wie Salbei, Minze, Schnittlauch, Majoran und Melisse an.

In Ihren Garten können Sie entweder einzelne, nachtblühende Stauden integrieren oder direkt ein ganzes "Fledermausbeet" anlegen. Hier lassen sich mehrere Nachtblüher miteinander kombinieren und locken auf diese Weise noch mehr nachtaktive Insekten an. Neben einem speziellen Fledermausbeet können Sie Ihren Garten auch um Obstbäume, Kräuterspiralen oder eine Wildblumenwiese erweitern.

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Tipp 2: Unterschlupf anbieten

Ist ein breites Nahrungsangebot vorhanden, brauchen Fledermäuse auch Unterschlupfmöglichkeiten. Der Fachhandel hält unterschiedliche Fledermauskästen bereit, die speziell auf die Tiere abgestimmt sind und sich an Wänden oder Bäumen befestigen lassen.

In Ihrem Garten können Sie aber auch natürliche Verstecke anlegen oder den lautlosen Nachtjägern beide Varianten anbieten. Die Möglichkeiten reichen vom Errichten einer Trockenmauer bis hin zu speziellen Ziegelsteinen, die Fledermäusen einen ungenutzten Dachboden zugänglich machen. Altes Totholz ist unter den nachtaktiven Insektenjägern ebenfalls beliebt. Es hält nicht nur Verstecke und Baumhöhlen bereit, sondern bietet auch Insekten einen Lebensraum, die der Fledermaus wiederum als Nahrung dienen. Darüber hinaus eignen sich Holzstapel und Holzmieten, wenn Sie diese das ganze Jahr über unberührt lassen.

Tipp 3: Gartenteich anlegen

Einige Fledermausarten jagen bevorzugt an oder über Wasserflächen. Gartenteiche fügen sich daher ideal in einen fledermausfreundlichen Garten ein. Oftmals findet sich hier ein reiches Angebot an Mücken und Fliegen, die beim lautlosen Flug über den Teich erbeutet werden. Gleichzeitig nutzen Fledermäuse den Gartenteich als Wasserquelle und trinken, während sie nahe über die Wasserfläche fliegen. Aus Sicht der nachtaktiven Säugetiere darf der Teich gerne groß ausfallen und empfiehlt sich daher insbesondere für größere Gärten.

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Tipp 4: Auf Pestizide verzichten

Insektenvielfalt und Pestizide schließen sich nahezu aus. Möchten Sie Fledermäusen in Ihrem Garten einen Lebensraum bieten, sollten Sie daher auf den Einsatz starker und chemischer Pestizide verzichten. Viele Pflanzenkrankheiten lassen sich bereits mit schonenden Hausmitteln behandeln, sodass Sie die Insektenvielfalt nicht unnötig reduzieren und einen natürlichen, für Fledermäuse attraktiven Garten erhalten.

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Tipp 5: Gefahrenquellen reduzieren

Auf ihrem Beutezug durch die Lüfte scheint es kaum aufzufallen, doch zeigen sich Fledermäuse durchaus als fragile Tiere. Es empfiehlt sich daher, Gefahrenquellen zu sichern und mit einem offenen Auge durch den heimischen Garten zu gehen. Kleine gefährliche Öffnungen, wie sie sich zum Beispiel an Schornsteinen oder Regenfallrohren finden, sollten Sie unbedingt abdichten. Offene Gefäße, aus denen die Nachtjäger nicht mehr selbstständig herausklettern können, sollten Sie ebenfalls verschließen oder entfernen.

Befindet sich in Ihrem Garten ein Holzhaufen oder eine Holzmiete, so sollten Sie bei der Holzentnahme besonders vorsichtig sein. Fledermäuse nutzen Holzhaufen gerne als Versteck und Winterquartier. Wenn Sie Holz entnehmen, sollten Sie deshalb auf Ihre kleinen Gartengäste achten und sicherstellen, dass das restliche Holz nicht zusammenrutschen kann.

Als natürliche Feinde gelten zudem Katzen, Eulen, Marder und Greifvögel. Bringen Sie Fledermauskästen in Ihrem Garten an oder integrieren Sie natürliche Versteckmöglichkeiten, sollten diese in einer Höhe von rund vier Metern liegen. In der Umgebung der Verstecke sollten sich außerdem keine "Lauermöglichkeiten" wie Büsche und Hecken befinden, in denen sich Marder und Co. verstecken können. So sind die lautlosen Nachtjäger besonders gut geschützt und können ihren Unterschlupf in Ruhe verlassen, um auf der Suche nach Beute durch die Nacht zu fliegen.

THEMEN:   Fledermäuse Gartengestaltung Tiere


Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum "Werbetexter und Konzeptioner". Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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