Pflanzenwissen

Orchideen im Garten pflanzen und pflegen

Wie ihre tropischen Verwandten, versprühen einheimische Orchideen einen besonderen Zauber, der von zarten Blüten, eleganten Formen und sanften Farben lebt. Einige Erdorchideen fühlen sich auch in naturbelassenen Gärten wohl und erfreuen Gartenfreunde in Natur- oder Moorbeeten.

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Frauenschuh im Garten
Der Frauenschuh ist eine einheimische Orchideenart und meist sehr widerstandsfähig gegenüber Kälte
Inhaltsverzeichnis

Exotische und heimische Orchideen

Die meisten denken bei Orchideen (Orchidaceae) zunächst an exotische Zimmerpflanzen, die Fensterbänke mit ausgefallenen Blüten zieren. Die Pflanzenfamilie ist jedoch weltweit verbreitet und umfasst rund 18.000 verschiedene Arten. Die Mehrheit findet sich in tropischen Gebieten und lebt überwiegend als Aufsitzerpflanze beziehungsweise Epiphyt auf Bäumen.

Die Zahl der heimischen Orchideen ist mit rund 60 verschiedenen Arten überschaubarer. Im Gegensatz zu den tropischen Verwandten gedeihen einheimische Orchideenarten allesamt am Boden und werden daher auch als Erdorchideen bezeichnet.

Der Frauenschuh (Cypripedium) dürfte zu den bekanntesten heimischen Arten zählen und stellt seine großen Blüten eindrucksvoll zur Schau. Andere heimische Orchideensorten erreichen nur eine Höhe von 15 Zentimetern und warten mit entsprechend kleineren Blüten auf. Ihre Schönheit offenbart sich ihrem Betrachter oftmals erst auf den zweiten Blick, wobei sich die Familienzugehörigkeit unmittelbar erkennen lässt.

Orchideen stehen unter Artenschutz

Heimische Orchideen stehen in Deutschland unter strengem Artenschutz. Da die natürlichen Lebensräume zunehmend schwinden, zeigt sich der Bestand der Pflanzen in der freien Natur als teilweise stark gefährdet. In der Folge ist sowohl das Beschädigen als auch das Pflücken oder Ausgraben von wild wachsenden Orchideen untersagt.

Darüber hinaus ist der Handel mit wilden Erdorchideen europaweit verboten. Lediglich Pflanzen, die aus einer künstlichen Vermehrung stammen, dürfen innerhalb der EU gehandelt werden. Einer strengen Kontrolle sind auch der Import und Export einheimischer Orchideen unterworfen, die stets über gültige Papiere und Nachweise zur Herkunft verfügen müssen.

Lebenraum in Magerrasen, Wald und Feuchtwiese

Erdorchideen gedeihen vor allem auf extensiv genutzten Flächen, auf denen die Natur ihres Amtes waltet und in die der Mensch fast gar nicht eingreift. Die Lebensräume lassen sich vereinfacht in Magerrasen, Wald und Feuchtwiesen unterscheiden.

Unter Magerrasen verstehen sich Wiesen und Weiden, die sich oft trocken und nährstoffarm zeigen. Obwohl eine spärliche Pflanzendecke und ein flachgründiger Boden nach eher widrigen Bedingungen klingen, verfügt der magere Lebensraum über einen hohen ökologischen Wert. So findet sich eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, in der sich etwa Ragwurzen (Ophrys) und Riemenzungen (Himantoglossum) wohlfühlen.

Naturnahe Wälder bietet hingegen einen Lebensraum für Erdorchideen, die über einen geringen Lichtbedarf verfügen. Vor allem in Mittel- und Süddeutschland finden sich unter anderem Waldvögelein (Cephalanthera) und Stendelwurz (Epipactis), die ihre Blütenschönheit nicht selten schon direkt am Wegesrand zur Schau stellen.

Neben Magerrasen und Wald bieten Feuchtwiesen und Moore einen weiteren Lebensraum, der für einheimische Erdorchideen von großer Bedeutung ist. Staut sich in Talsenken und Niederungen regelmäßig das Regenwasser oder führen Flüsse und Bäche regelmäßig Hochwasser, fühlen sich unter anderem die verschiedenen Arten der Knabenkräuter (Orchis) wohl. Aber auch die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) lässt sich antreffen.

Heimische Orchideen im Garten kultivieren

Blüte einer Bienen-Ragwurz-Gartenorchidee
Gartenorchideen, wie der Bienen-Ragwurz, sind ein Blickfang in jedem Garten

Wenn sich im heimischen Garten die Lebensräume wild wachsender Orchideen imitieren lassen, können sich auch Gartenfreunde an den schönen Pflanzen erfreuen. Da wild wachsende Orchideen in Deutschland unter strengem Artenschutz stehen, sollten Sie Erdorchideen nur bei einem Händler erwerben, der eine entsprechende Bescheinigung vorweisen kann.

Diese gibt Auskunft über die Herkunft der Pflanzen und stellt sicher, dass diese nicht aus der Natur entnommen wurden, sondern aus einer künstlichen Vermehrung stammen. Insbesondere bei streng geschützten Orchideenarten, zu denen beispielsweise der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolu) gehört, empfiehlt sich ein entsprechender Herkunftsnachweis.

Welche Orchideenarten eignen sich für den Garten?

Gartenorchideen verfügen über eine große Vielfalt und bereichern die heimische Natur mit exotisch anmutenden Blüten. Insbesondere in Naturgärten und Moorbeeten, aber auch in einem schattigen Blumenbeet fühlen sich die schönen Pflanzen wohl.

Die bekannteste Art der Erdorchideen dürfte der Frauenschuh (Cypripedium) sein, der auch im heimischen Garten problemlos gedeiht. Knabenkräuter (Orchis), Ragwurzen (Ophrys) und Stendelwurzen (Epipactis) bilden weitere Arten heimischer Orchideen, die unter anderem durch die weniger bekannten Händelwurzen (Gymnadenia) und Nestwurzen (Neottia) ergänzt werden.

Allen heimischen Erdorchideenarten ist gemeinsam, dass sie eine Symbiose mit Pilzen eingehen. Diese übernehmen die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen, ohne die die Pflanzen nicht gedeihen können. Die meisten Orchideensamen würden ohne die Hilfe der Pilze auch gar nicht erst keimen. Orchideenerde aus dem Fachhandel beinhaltet den Pilz daher in den meisten Fällen.

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Welchen Standort bevorzugen Orchideen im Garten?

Die meisten heimischen Orchideen lassen sich ohne großen Pflegeaufwand im eigenen Garten kultivieren und zeigen sich als äußerst anspruchslos. Gartenfreunde werden sich aber nur an einer reichen Blüte und gesunden Pflanzen erfreuen, wenn sie den passenden Standort gewählt haben.

Dieser sollte nicht in der direkten Sonne liegen, sondern schattig sowie geschützt ausfallen. Erdorchideen bevorzugen einen lockeren, durchlässigen und feuchten Boden. Der Untergrund sollte weder staubtrocken noch vollständig nass sein, da heimische Orchideenarten weder große Trockenheit noch Staunässe vertragen.

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Wie lassen sich Orchideen im Garten pflanzen?

Um den eigenen Garten mit Orchideen zu bereichern, lassen sich diese entweder aus Samen selbst heranziehen oder als voll ausgebildete Setzlinge erwerben. Da das Heranziehen aus Samen nicht ganz einfach ist und eine Menge Wissen sowie Erfahrung voraussetzt, empfehlen sich Gartenorchideen vor allem als Setzlinge.

Die beste Pflanzzeit für Orchideengewächse sind die Herbstmonate, da sich die Pflanzen zu dieser Zeit in einer Ruhephase befinden. Sobald Sie den richtigen Standort ausgewählt haben, lockern Sie das Erdreich an diesem sorgfältig auf. Je nach Bodenart empfiehlt es sich, die Erde mit Sand zu versetzen, um die Durchlässigkeit zu verbessern.

Heben Sie anschließend ein rund 20 Zentimeter tiefes Pflanzloch aus und füllen Sie dieses mit der mitgelieferten Orchideenerde. Diese sollte im Idealfall spezielle Pilze beinhalten, die die Orchideen im Rahmen einer Symbiose mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen. Anschließend setzen Sie den Orchideen-Setzling in das Pflanzloch, füllen dieses vollständig mit Erde auf und drücken diese leicht an. Direkt nach dem Pflanzen sollten Sie die Pflanze zudem gut angießen.

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Welche Pflege brauchen heimische Orchideen im Garten?

Blütenstand vom Knabenkraut
Knabenkräuter sind beliebte Gartenorchideen, die nur wenig Pflege benötigen

Erdorchideen zeigen sich im Garten ausgesprochen anspruchslos und pflegeleicht. Das Erdreich rund um die Pflanze sollte stets feucht sein und im Idealfall nie vollständig austrocknen. Vermeiden Sie allerdings Staunässe und achten Sie darauf, dass der Boden gut durchlässig bleibt. Zur Bewässerung eignet sich kalkfreies Regenwasser am besten.

Eine Düngung benötigen Gartenorchideen nur in Maßen und ausschließlich während der Wachstumsphase im Sommer. Als sogenannte Schwachzehrer verwerten alle Orchideenarten nur recht wenige Nährstoffe und reagieren empfindlich auch eine erhöhte Salzkonzentration im Boden. Zum Düngen empfiehlt sich vor allem Flüssigdünger, der zusammen mit dem Gießwasser ausgebracht wird.

Einen Pflege- oder Rückschnitt brauchen Orchideen nicht. Verwelkte Blüten und Laubblätter können Sie vorsichtig entfernen, wobei auch diese Pflege nicht unbedingt notwendig ist.

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Wie lassen sich Gartenorchideen überwintern?

Zur Überraschung vieler Gartenfreunde sind heimische Orchideen, die sich im Garten kultivieren lassen, in der Regel winterhart. Liegen die schönen Pflanzen unter einer schützenden Schneedecke, vertragen sie sogar Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.

Fällt kein oder nur wenig Schnee, empfiehlt es sich, Gartenorchideen im späten Herbst mit Tannenreisig oder Vlies abzudecken. Ausgraben und in ein warmes Winterquartier umsiedeln müssen Sie die Pflanzen definitiv nicht.

Auch ein regelmäßiges Gießen ist während der Wintermonate nicht notwendig. Erst wenn die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen und sich der Beginn der Wachstumsphase erkennen lässt, verlangen die Gartenorchideen wieder nach einer regelmäßigen Bewässerung.

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Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum "Werbetexter und Konzeptioner". Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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