Insektenwissen

Hornissen im Garten: Nützlich oder gefährlich?

Manche Gartenfreunde fürchten sie, andere freuen sich über die nützlichen Gartenbesucher: Hornissen spalten die Meinungen. Dabei spielen die großen Insekten eine wichtige Rolle für unser Ökosystem und stehen sogar unter strengem Artenschutz.

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Hornisse im Garten
Hornissen sind die größten Echten Wespen und erreichen meist Körperlängen von etwa 20 Millimeter
Inhaltsverzeichnis

Wo sind Hornissen verbreitet?

Hornissen (Vespa) leben in Nordamerika, Asien und Europa, wo sie sich vor allem in Nord- und Mitteleuropa finden. Obwohl das Verbreitungsgebiet recht groß ausfällt, gilt eine akute Bestandsgefährdung. In Europa stehen die großen Insekten daher unter strengem Artenschutz, den die Bundesartenschutzverordnung und das Bundesnaturschutzgesetz vorschreiben.

Auch wer die Tiere nicht im eigenen Garten haben möchte, darf Hornissen also nicht verletzen oder töten und auch Hornissennester nicht zerstören. Als Strafe drohen Bußgelder in einer Höhe von bis zu 50.000 Euro für diejenigen, die den Artenschutz ignorieren.

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Welche Hornissen-Arten kommen in Mitteleuropa vor?

In Mitteleuropa kommt lediglich eine einzige Hornissen-Art vor, die sich Vespa crabro nennt. Wie auch Wildbienen zählt sie zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera), wobei die Gattung der Hornissen (Vespa) zur Familie der Sozialen Faltenwespen (Vespidae) gehört.

Die Vespa crabro zeigt sich als die größte Faltenwespen-Art, die insgesamt als größtes Insekt in Mitteleuropa lebt. Königinnen erreichen eine Größe zwischen 30 und 40 Millimetern. Männliche Drohnen und Arbeiterinnen bleiben kleiner und messen eine Länge von 21 bis 28 beziehungsweise 18 bis 25 Millimetern.

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Wo leben Hornissen?

Wälder und Wiesen dienen der Vespa crabro als natürliche Lebensräume. Aber auch in Parks und Grünanlagen mit alten Baumbeständen sowie in der Nähe von Streuobstwiesen sind Hornissen anzutreffen. Da den Insekten ein zunehmend schwindender Lebensraum zur Verfügung steht, verirren sie sich zunehmen in private Gärten und bauen sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum Nester.

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Wovon ernähren sich Hornissen?

Nahaufnahmen einer Hornisse
Hornissen sind meist auffällig gefärbt, mit brauner bis schwärzlichbrauner Grundfarbe und kräftig gelber Musterung

Die Nahrung von Hornissen besteht sowohl aus pflanzlichen als auch tierischen Quellen. Die "Insektenjäger" fangen Wespen, Bienen, Libellen, Fliegen, Mücken, Falter und Raupen, die sie insbesondere als proteinreiche Nahrung an ihre Larven verfüttern. Ein Hornissenvolk vertilgt eine beachtliche Menge an Insekten, die nicht selten bei rund 500 Gramm am Tag liegt.

Abseits der Larvenaufzucht ernähren sich erwachsene Hornissen fast ausschließlich pflanzlich. Baumsäfte, Fallobst, Honigtau und Nektar stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Während Wespen und Bienen auch Interesse an menschlichen Speisen bekunden, interessieren sich die großen Insekten nicht für Kuchen und Limonade. Gartenfreunden müssen beim gemütlichen Essen auf der Terrasse also keine Störungen durch Hornissen befürchten.

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Wie leben Hornissen?

Hornissen leben in Völkern, die 400 bis 700 Mitglieder umfassen und einjährige Staaten bilden. Ein Volk besteht aus Königin, männlichen Drohnen und Arbeiterinnen. Vom Frühsommer bis zum Herbst nimmt außerdem die Zahl der Jungköniginnen zu. Während Hornissenköniginnen ungefähr ein Jahr leben, werden Arbeiterinnen nur drei bis vier Wochen alt.

Zwischen Ende April und Anfang Mai verlassen die Jungköniginnen ihr Winterquartier und beginnen mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz für ihr Volk. Interessant sind vor allem Baumhöhlen und altes, morsches Holz. Einige Königinnen nehmen aber auch Nisthilfen an oder siedeln an und in Häusern. Für den Nestbau kommen abgestorbene Pflanzenteile wie etwa Holzfasern zum Einsatz. Jedes Nest besteht aus zahlreichen, sechseckigen Waben, wobei es eine Länge von rund 60 Zentimetern und einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern erreichen kann.

Die Hornissenkönigin beginnt zunächst alleine mit dem Nestbau, legt in jede Wabe ein Ei und kümmert sich um die ersten Larven. Sobald immer mehr Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese die Arbeit am Nest und die Königin fliegt kaum noch aus. Neben Arbeiterinnen schlüpfen auch männliche Drohnen, die sich im Herbst mit den Jungköniginnen paaren. Diese trennen sich anschließend von ihrem Volk und suchen in morschem Holz oder der Erde nach einem geeigneten Winterquartier. Dort überwintern sie bis zum nächsten Frühjahr, während das restliche Volk inklusive der alten Hornissenkönigin stirbt.

Interessant ist außerdem, dass die Vespa crabro nicht nur tagaktiv, sondern auch nachtaktiv ist. Da sie durch Licht angelockt wird, verirrt sie sich am Abend nicht selten durch geöffnete Fenster in Häuser und erschreckt so manchen Hausbewohner. Darüber hinaus ziehen Hornissen einfach um, wenn ihnen der Nistplatz zu klein wird und bilden sogenannte "Filialen". Arbeiterinnen beginnen an einem "Filialnest" parallel mit dem Nestbau und eskortieren schließlich die Königin zum neuen Nest.

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Wie verhalten sich Hornissen gegenüber Menschen?

Hornissen
Die scheuen Hornissen stehen unter Artenschutz und dürfen nicht bekämpft werden

Aufgrund ihrer Größe wirken Hornissen auf viele Menschen gefährlich und werden häufig gefürchtet. Dabei zeigen sich die friedliebenden Tiere weitaus weniger aggressiv als beispielsweise Wespen. Dem Menschen gegenüber verhalten sich die großen Insekten scheu und meiden seine Nähe. Lediglich wenn es um die Verteidigung des Nests geht, kennen Arbeiter-Hornissen keine Gnade und schrecken auch vor Stichen nicht zurück. Insbesondere in der Hochphase von Mitte August bis Mitte September sollten Sie daher einen großzügigen Abstand zu Hornissennestern einhalten.

Wer sich grundsätzlich an ein paar Verhaltensregeln hält, kann unangenehme Begegnungen mit der Vespa crabro jedoch von vornherein vermeiden. Generell gilt, dass Sie ruckartige und hektische Bewegungen unterlassen sollten. Fächeln, wedeln oder pusten Sie nicht in Richtung der Hornissen. Bei Hornissennestern sollten Sie zudem einen großzügigen Abstand einhalten. Insbesondere die Einflugschneise zum Nest sollten Sie nicht versperren und die kunstvollen Gebilde lieber aus der Distanz begutachten.

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Sind Stiche von Hornissen gefährlich?

Der Volksmund hält Weisheiten bereit, die etwa als "Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd" bekannt sind. Ein Stich der großen Insekten ist jedoch nicht gefährlicher als der Stich von Bienen oder Wespen. Aufgrund des größeren Stachels, der bis zu sechs Millimeter groß ist, kann die Begegnung allerdings etwas schmerzhafter ausfallen.

Ein Hornissenstich ist für einen gesunden Menschen somit mitnichten bedrohlich. Ausnahmen bilden hier natürlich Stiche, die den Mund- und Rachenraum betreffen. Hier droht eine unmittelbare Erstickungsgefahr, die der umgehenden Behandlung durch einen Notarzt bedarf. Gleiches gilt für Allergiker oder kleine Kinder, die ebenfalls einer umgehenden

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Wie lassen sich Hornissen vertreiben?

Hornissennester
Hornissennester finden sich an Häusern, in Bäumen oder gar in Nistkästen von Vögeln und dürfen nicht entfernt werden

Nicht jeder Gartenfreund begrüßt gerne Hornissen im eigenen Garten. Aufgrund des strengen Artenschutzes dürfen Sie die Tiere allerdings weder fangen noch verletzten oder sogar töten. Einzelne Tiere lassen sich beispielsweise durch Insektengitter an Türen und Fenstern fernhalten. Auch abschreckende Duftstoffe wie Nelken- oder Zitrusöl zeigen sich als hilfreiches Hausmittel.

Während einzelne Exemplare nur selten zum wirklichen Problem werden, sieht dies bei Hornissennestern anders aus. Insbesondere wenn Allergiker, Kinder oder Haustiere den Garten nutzen oder sich das Nest im Haus befindet, bedarf es einer Umsiedlung. Diese dürfen Sie aber nicht alleine vornehmen, sondern müssen zunächst die zuständige Naturschutzbehörde informieren. Im Anschluss überprüft ein Fachmann den Standort des Hornissennests und nimmt, falls notwendig, dessen Umsiedlung vor.

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Eignen sich Hornissenkästen zum Artenschutz?

Der natürliche Lebensraum der Vespa crabro wird immer kleiner. Sie findet sich daher immer häufiger im direkten Umfeld des Menschen, nutzt Vogelhäuser, Fledermauskästen, Rollladenkästen, Zwischendecken oder Hohlräume unter dem Dach als Nistmöglichkeiten.

Mit einem Hornissenkasten tragen Sie daher nicht nur zum Artenschutz bei, sondern können in vielen Fällen auch den Nestbau in oder am Haus vermeiden. Wählen Sie eine ruhige Ecke in Ihrem Garten aus und befestigen Sie den Kasten entweder an einem Baum oder an einer Wand in einer Höhe von etwa vier Metern. Richtigen Sie die Vorderseite mit den Einfluglöchern nach Südosten aus und entfernen Sie gegebenenfalls Zweige und Äste, die den Zugang zum Nest einschränken. Möchten Sie mehrere Kästen aufhängen, empfiehlt sich ein Abstand von mindestens 100 Metern, um Revierkämpfen unter den einzelnen Hornissenvölkern vorzubeugen.

Sind die friedfertigen Insekten im Herbst ausgezogen, können Sie den Hornissenkasten reinigen. Hornissen suchen alte Nester nämlich nicht erneut auf und finden auf diese Weise im nächsten Frühjahr ein sauberes Zuhause vor, das sie besiedeln können.

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THEMEN:   Insekten Tiere


Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum "Werbetexter und Konzeptioner". Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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