Pflanzenkrankheiten

Rotpustelkrankheit: Pilzbefall erkennen, bekämpfen und vorbeugen

Rote Pusteln, welkendes Laub und Bruchgefahr: Die Rotpustelkrankheit gefährdet eine Vielzahl von Laub- und Obstbäumen. Wie Sie den Pilzbefall erkennen und erfolgreich bekämpfen können, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

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Zinnoberroter Pustelpilz (Nectria cinnabarina)
Der Rot-Pustelpilz (Nectria cinnabarina) ist ein Schlauchpilz aus der Ordnung der Krustenkugelpilzartigen (Hypocreales) © Sylfred1977 - Wikimedia | CC BY-SA 3.0
Inhaltsverzeichnis

Kurzporträt: Rotpustelkrankheit

Im Garten fallen oft abgestorbene Äste und herumliegendes Totholz auf, auf deren Oberfläche sich stecknadelkopfgroße, orangerote Punkte gebildet haben. Bei diesen Pusteln handelt es sich um die Fruchtkörper des Rotpustelpilzes (Nectria cinnabarina), auch Zinnoberroter Pustelpilz genannt, der vor allem an Laubbäumen und Obstgehölzen auftritt.

Der Rotpustelpilz hat dabei zwei verschiedene Gesichter. Zum einen erfüllt er als Saprophyt eine wichtige ökologische Funktion, indem er totes Holz zersetzt. Zum anderen dringt er als Wund- und Schwächeparasit in noch lebendes Holz ein und schädigt auf diese Weise lebende Gehölze.

Da Nectria cinnabarina vor allem in totem Holz gefunden wird, wirkt er auf den ersten Blick harmlos. Dringt der Pilz allerdings in lebende Gehölze ein, verursacht er schwere Schäden und kann die betroffenen Bäume bis hin zur Bruchgefahr schädigen.

Als Wund- und Schwächeparasit befällt der Rotpustelpilz vor allem junge Bäume, die unter Trockenheitsstress leiden. Infektionen oder Wunden, die beispielsweise durch Schnittarbeiten oder Windbruch entstehen können, bieten dem Parasiten ebenfalls eine willkommene Eintrittspforte.

Verbreitung

Ist der Rotpustelpilz in totes oder lebendes Holz eingedrungen, entwickelt sich die sogenannte Rotpustelkrankheit zunächst im Holzinneren. Im Laufe der Erkrankung bilden sich auf der Außenseite der Rinde rote Pusteln. Diese lachsrosafarbenen bis orangeroten Punkte stellen die Fruchtkörper des Pilzes dar und finden sich vor allem auf befallenen Ästen und Zweigen.

Zuerst entwickelt sich die Nebenfruchtform, die als Tubercularia vulgaris bezeichnet wird. Die Krankheit verbreitet sich in diesem Stadium über sogenannte Konidien, bei denen es sich um eine spezielle Form von Sporen handelt, die eine ungeschlechtliche Vermehrung des Pilzes ermöglichen. Die Sporenbehälter quellen bei hoher Feuchtigkeit oder durch Regenwasser auf. Die enthaltenen Sporen verbreiten sich anschließend mithilfe von Wind und befallen weitere lebende Bäume sowie Totholz in der Umgebung.

Während der Spätsommer- und Herbstmonate bildet sich die Hauptfruchtform, die zur Gruppe der Schlauchpilze (Ascomycetes) zählt. In den zinnoberroten Fruchtkörpern, die sich nun auf der Rinde befallener Bäume bilden, werden Sporen ausgebildet, die im Gegensatz zur Nebenfruchtform der geschlechtlichen Vermehrung dienen.

Betroffene Pflanzen

Vom Rot-Pustelpilz befallener Ast
Etliche Gartenbäume und Sträucher können vom Rot-Pustelpilz befallen werden © Michel Langeveld - Wikimedia | CC BY-SA 4.0

Die Rotpustelkrankheit tritt sowohl in Baumschulen als auch im heimischen Garten auf. Der Pilz kann fast alle Laubgehölze befallen, wobei frisch gepflanzte, geschwächte oder verwundete Bäume für einen Befall besonders gefährdet sind.

Neben Obstbäumen wie Apfel-, Aprikosen- und Birnenbaum sind auch Beerensträucher wie Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren geeignete Wirtspflanzen für Nectria cinnabarina. An Ziergehölzen wie Ahorn, Birke, Buche, Buchsbaum, Hainbuche, Haselnuss, Kornelkirsche und Weißdorn kann die Rotpustelkrankheit ebenfalls auftreten.

Schadbild vom Rot-Pustelpilz

Wunden und Verletzungen der Rinde, die beispielsweise durch Schnittarbeiten, Windbruch oder beim Rasenmähen entstehen können, bieten dem Rotpustelpilz eine optimale Eintrittspforte. Gelangt der Wund- und Schwächeparasit in das gesunde Gewebe einer geeigneten Wirtspflanze, breitet er sich zunächst über die Saftbahnen aus.

Bei diesem Prozess sondert der Pilz Stoffwechselprodukte ab, die toxisch auf das gesunde Baumgewebe wirken. Die sogenannten Mykotoxine haben ein Verstopfen der Leitbahnen zur Folge, sodass die Versorgung der betroffenen Pflanzenteile verhindert wird und das Gewebe abstirbt.

Durch das abgestorbene Gewebe verfärbt sich die Rinde grünlich bis bräunlich. Das Laub an betroffenen Ästen und Zweige verkümmert, wobei auch tumorartige Gewebeneubildungen zu erkennen sind. Ein sehr starker Befall mit Nectria cinnabarina kann sogar zur Bruchgefahr des gesamten Gehölzes führen.

Wie schnell sich die Rotpustelkrankheit ausbreitet, hängt vom Wassergehalt des befallenen Holzes ab. Sinkt der Wassergehalt aufgrund von Störungen im Wasserhaushalt der Pflanze stark ab, profitiert der Pilz von einer schnelleren Ausbreitung. Nährstoffmangel, Hagelschäden und Temperaturen, die für die jeweilige Jahreszeit zu niedrig sind, begünstigen ebenfalls eine schnellere Ausbreitung.

Rotpustelkrankheit vorbeugen

Anfänglicher Pilzbefall durch Nectria cinnabarina
Gelegentlich sollten Gehölze auf einen anfänglichen Befall durch den Schadpilz hin untersucht werden © Alexis - Wikimedia | CC BY 4.0

Hat sich die Rotpustelkrankheit einmal im Garten ausgebreitet, lässt sie sich nur schwer bekämpfen. Vorbeugende Maßnahmen, die das Risiko für einen Befall mit Nectria cinnabarina von vornherein reduzieren, sind daher sehr wichtig.

Bereits bei der Auswahl von Gehölzen sollten Sie sich für resistente oder widerstandsfähige Sorten entscheiden. Containerpflanzen und Gehölze mit Wurzelballen zeigen sich im Gegensatz zu wurzelnackten Pflanzen weniger anfällig, da die Wurzeln in der Regel weniger stark austrocknen.

Idealerweise sollten Sie Ihren Baum ohne Verletzungen in Ihren Garten transportieren und so schnell wie möglich pflanzen. Da Bodenverdichtung, Staunässe und Trockenheitsstress eine Infektion mit Nectria cinnabarina begünstigen, sind eine guten Bodenvorbereitung vor der Pflanzung und eine regelmäßige Wässerung unerlässlich.

Schnittarbeiten sollten Sie zudem nur bei trockener Witterung im Spätsommer durchführen. Denn offene Schnittwunden und Frostschäden bieten dem Rotpustelpilz eine optimale Eintrittspforte. Verzichten Sie, wenn möglich, auf einen Winterschnitt und verwenden Sie bei allen Schnittarbeiten scharfe sowie desinfizierte Werkzeuge. Für große Wundflächen empfiehlt sich ein geeignetes Wundverschlussmittel.

Um die Widerstandsfähigkeit Ihrer Gartenbäume grundsätzlich zu erhöhen, spielen ein optimaler Standort, eine gute Nährstoffversorgung und eine ausreichende Wässerung eine wichtige Rolle. Mithilfe einer guten Gehölzpflege fördern Sie starke Pflanzen und reduzieren das Risiko für einen Befall mit dem Rotpustelpilz.

Rotpustelkrankheit bekämpfen

Befindet sich in Ihrem Garten Totholz, das mit der Rotpustelkrankheit befallen ist, sollten Sie dieses schnellstmöglich verbrennen oder über den Hausmüll entsorgen. Um eine Verbreitung des Pilzes zu vermeiden, darf das befallene Holz auf keinen Fall über den Kompost entsorgt werden, da sich die Sporen sonst auf weitere Bäume ausbreiten können.

Leidet ein lebender Baum unter der Rotpustelkrankheit, empfiehlt sich ein starker Rückschnitt der betroffenen Äste und Zweige bis ins gesunde Holz. Das Schnittgut sollten Sie ebenfalls verbrennen oder über den Hausmüll entsorgen. Große Wunden werden idealerweise mit einem Wundverschlussmittel versorgt. Chemische Mittel, mit denen sich der Rotpustelpilz bekämpfen lässt, gibt es nicht.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkennt man die Rotpustelkrankheit?
Wie lässt sich eine Erkrankung mit dem Rotpustelpilz vermeiden?
Wie kann die Rotpustelkrankheit bekämpft werden?
Welche Pflanzen befällt der Rotpustelpilz?
Wie verbreitet sich die Rotpustelkrankheit?

THEMEN:   Bäume Pflanzenkrankheiten Pilze


Autor Jennifer Nagel

Über den Autor
Jennifer Nagel

Nach einem redaktionellen Praktikum entdeckte Jennifer ihre Liebe zur Sprache und begann ein Studium zum Werbetexter und Konzeptioner. Seit 2019 arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin und verfasst unter anderem interessante Artikel für unser Gartenmagazin.

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