Larvenbestimmung

Engerlinge: Käferlarven erkennen, vorbeugen und bekämpfen

Wer häufig im Garten arbeitet, hat sie sicher schon einmal entdeckt: große, dicke Maden in der Erde. Dabei handelt es sich häufig um Käferlarven, sogenannte Engerlinge, die bis zur Verpuppung im Beet, Kompost oder Blumentopf leben. Hier erfahren Sie, worin sich die Arten unterscheiden und welche Maßnahmen Sie zur Vorbeugung und Bekämpfung ergreifen können.

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Rosenkäferlarven
Nicht alle Engerlinge sind schädlich - Rosenkäferlarven zählen gar zu den besonders geschützten Arten © mein Gartenexperte
Inhaltsverzeichnis

Was sind Engerlinge?

Als Engerlinge werden die Larven bestimmter Käferarten bezeichnet, die der Überfamilie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) angehören. Hierzu zählt zum Beispiel der Maikäfer, der Rosenkäfer sowie der gerippte Brachkäfer. Übersetzt aus dem mittel- bzw. althochdeutschen bedeutet Engerling so viel wie „kleiner Wurm“ oder „Made“.

Engerlinge erreichen eine durchschnittliche Länge von 6 Zentimeter. Ihr Körper ist dick und hellgrau bis orangebraun gefärbt. Je nach Art können diese auch ganz schwarz sein. Die Käferlarven besitzen einen deutlich ausgeprägten Kopf sowie ein kräftiges Mundwerkzeug. Das Hinterleibsende ist verdickt und drei vordere Beinpaare erleichtern ihnen das Graben. Überwiegend sind hierzulande vier Arten von Engerlingen vertreten, die verschiedene charakteristische Merkmale besitzen:

Nashornkäferlarve Rosenkäferlarve Maikäferlarve Brachkäferlarve / Junikäferlarve
  • Größe: ca. 7 - 10 cm
  • Färbung: weiß / gelblich
  • leben oft in Komposthaufen
  • Dörnchenreihe am Hinterleib fehlt
  • Größe: ca. 5 cm
  • Färbung: weiß / grau-schwarz schattiert
  • Brustbeine deutlich kürzer
  • dickerer Hinterleib
  • Größe: ca. 6 cm
  • Färbung: weiß / creme / grau
  • 3 Beinpaare
  • brauner Kopf
  • Größe: ca. 3 cm
  • Färbung: gelb bis bräunlich
  • 3 auffällige Brustbeinpaare
  • brauner Kopf
Unser Experten-Tipp:
Dreht sich eine Made auf einer glatten Fläche zur Seite oder auf den Bauch, handelt es sich um einen Mai- oder Junikäfer. Dreht sich diese hingegen auf den Rücken und bewegt sich möglicherweise sogar fort, handelt es sich um eine Rosenkäferlarve.

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Welche Engerlinge sind nützlich?

Rosenkäferengerling
Nützliche Engerlinge wie die Rosenkäferlarve ernähren sich vor allem von Totholz und abgestorbenen Wurzeln und sind keine Gefahr für Pflanzen

Nicht alle Käferlarven, die sich in Ihrem Garten aufhalten, gehören zu den Schädlingen. Daher ist es zunächst wichtig, dass Sie herausfinden, um welche Larven es sich tatsächlich handelt.

Die Larven des Nashornkäfers gehören eindeutig zu den Nützlingen, da sich diese bevorzugt von abgestorbenem Holz ernähren. Ergänzend zum immer wärmer werdenden Klima können Sie selbst zur Verbreitung des Nashornkäfers beitragen, indem Sie bevorzugt Rindenmulch in Ihrem Garten verwenden. Die gezielte Förderung des Nashornkäfers ist von hoher Wichtigkeit, da der Rückgang von natürlichem Totholz in Wäldern einen negativen Einfluss auf dessen Population nimmt.

Auch die Larven des Rosenkäfers sind für Ihren Garten von erheblichem Nutzen, da sich diese vorrangig von abgestorbenen Wurzeln und anderem toten Material ernähren. Lebende Pflanzen stehen nicht auf dem Speiseplan von Rosenkäferlarven, weshalb diese keinen Schaden in Ihrem Garten anrichten.

Zusammen mit Pilzen und Bakterien beschleunigen Käferlarven sogar die Rotte sowie den Abbau organischen Materials im Kompost. Auf diese Weise leisten die kleinen Würmer einen wertvollen Beitrag zur Humusbildung. Vielmehr kommt es innerhalb eines speziellen Verdauungsvorgang zur Bildung von Dauerhumus, welcher aus schwer zersetzbaren Humusstoffen besteht. Diese Stoffe werden langsam und gleichmäßig an die Pflanzen abgeführt.

Ausgewachsene Exemplare sind an ihrer metallischen gold-grün Färbung zu erkennen. Die Unterseite ist purpurrot gefärbt. Da Rosenkäfer zwischen Mai und Juni fliegen, sind die Larven besonders in diesem Zeitraum leicht auffindbar.

Unser Experten-Tipp:
Ausgewachsene Käfer sind leicht zu erkennen. Möchten Sie danach Ausschau halten, sollten Sie Ihren Garten entweder früh morgens oder spät abends beobachten, denn die Krabbeltiere werden erst in der Dämmerung richtig aktiv.

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Welche Engerlinge sind schädlich?

Maikäferengerling
Schädliche Engerlinge wie die Maikäferlarve fressen gesunde Wurzeln und können Pflanzen daher schädigen

Tatsächlich kommt es nur äußerst selten vor, dass Engerlinge erhebliche Schäden im Garten verursachen. Die Entwicklungsdauer von der Larve bis zum ausgewachsenen Käfer kann je nach Art bis zu 4 Jahre betragen. Daher bleiben die Maden zumeist einige Zeit unbemerkt und werden eher zufällig beim Graben entdeckt. Selbst ein akuter Befall lässt sich häufig erst feststellen, wenn Pflanzen aufgrund ihres fehlenden Wurzelwerks Gefahr laufen, einzugehen.

Zu den schädlichsten Engerlingen gehört die Maikäferlarve, die Pflanzen vorrangig durch ihre Fraßtätigkeit an den Wurzeln schädigt. Schlimmstenfalls kann es passieren, dass die Gewächse vollständig absterben. In erster Linie befallen Maikäfer Laubbäume. Dies ist vor allem im zweiten Lebensjahr der Larven zu beobachten. Denn im dritten Lebensjahr ziehen sie sich im Boden in einer Tiefe von bis zu 60 Zentimeter zurück, wo sich die Larven schließlich verpuppen. Noch im selben Jahr zeigt sich der ausgewachsene Käfer aus der Erde.

Die Larven des Brachkäfers bevorzugen vor allem Gräserwurzeln. Die Generationsdauer beträgt durchschnittlich zwei Jahre. Große Mengen dieser Käferart sind vorrangig zwischen Juni und Juli zu beobachten. Die Engerlinge des Gartenlaubkäfers erreichen eine Größe von etwa einem Zentimeter und fliegen zwischen März und Juni. Auch diese Käfer finden großen Gefallen an Rasenwurzeln. Die Generationsdauer ist mit nur einem Jahr vergleichsweise gering.

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Welche Pflanzen sind betroffen?

Welche Pflanzen einen tatsächlichen Befall erleiden, ist in erster Linie von der jeweiligen Käferart abhängig. Gartenlaubkäfer sind beispielsweise vorrangig auf dem Rasen zu finden. Sofern es sich um einen akuten Befall handelt, werden die Wurzeln der Gräser vollständig abgefressen. In extremen Fällen kann es vorkommen, dass sich der Rasen vollständig von Hand abziehen lässt. Für gewöhnlich kommt ein solch ausgeprägter Befall jedoch nur selten vor. Bei den meisten anderen Käferlarven erfreuen sich Jungpflanzen wie Kartoffeln, Rüben, Erdbeeren und Salat besonderer Beliebtheit.

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Engerlinge zuverlässig vorbeugen

Handvertikutierer gegen Engerlinge
Regelmäßiges Vertikutieren beugt einem Engerlingbefall im Rasen vor

Eine organisierte Vorbeugung gegen schädliche Larven erweist sich als die wirksamste Vorgehensweise. Hierfür stehen Ihnen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Auf Beleuchtung verzichten

Dass sich sowohl Insekten als auch Käfer durch Lichtquellen angezogen fühlen, ist allgemein bekannt. Somit sollten Sie davon absehen, Ihr Grundstück nachts durchgehend zu beleuchten. Denn eine zu helle Beleuchtung fördert zudem die Eiablage.

Passend zum Thema: Richtige Gartenbeleuchtung schützt Vögel und Insekten

Insektenschutznetze auslegen

Um die Eiablage von ausgewachsenen Käfern zu unterbinden, ist die Ausbreitung von Insektenschutznetzen über Kompost und Beete zu empfehlen. Allerdings ist es nicht notwendig, die Abdeckung während des gesamten Jahres anzubringen. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie diese Maßnahme während der Flugzeit zwischen Mai und Juni ergreifen. Bemerken Sie zudem auffallend viele Käfer an einem Ort, ist es ebenfalls ratsam, eine Abdeckung anzubringen.

Rasen regelmäßig vertikutieren

Durch regelmäßiges Vertikutieren wird der Boden aufgelockert, wodurch sich dieser gegenüber Käferlarven als weniger anfällig erweist. Die Lebensgrundlage ist für Engerlinge nicht optimal, sodass sich diese nicht ansiedeln. Alternativ ist es möglich, den Boden manuell aufzulockern. Zudem ist es hilfreich, wenn Sie Ihren Garten in regelmäßigen Abständen von Unkraut befreien und die abgestorbenen Pflanzenteile direkt vernichten.

Unser Experten-Tipp:
Tief eingegrabene Kantensteine, engmaschige Wurzelschutzgitter sowie diverse Drahteinlagen können zusätzlich zur Vorbeugung eines Schädlingsbefalls beitragen. In großen Gärten erweist sich dies hingegen als recht zeitintensiv.

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Engerlinge effektiv bekämpfen

Pflanzen und Maulwürfe gegen Engerlinge
Einige Pflanzen schrecken Engerlinge ab, während Fressfeinde sich davon ernähren

Sofern sich die Aktivität der Maden in Ihrem Garten lediglich auf ein geringes Ausmaß beschränkt, ist eine direkte Bekämpfung nicht zwingend notwendig. Erst, wenn sich die Käferlarven rasant verbreiten, lohnt es sich, über eine direkte Bekämpfung nachzudenken. Infrage kommen beispielsweise diese Maßnahmen:

Absammeln der Larven

Stoßen Sie beim Umgraben der Erde zufällig auf schädliche Käferlarven, lassen sich diese mit der bloßen Hand aufsammeln. Insbesondere nach einem starken Regenschauer halten sich Engerlinge bevorzugt an der Oberfläche der weichen Erde auf. Unschädliche Käferlarven sollten hingegen nicht aufgesammelt werden. Bei einem akuten Befall ist es zudem möglich, Engerlinge im äußeren Wurzelbereich auszugraben.

Abschreckung durch Pflanzen

Möchten Sie schädliche Käferlarven gezielt vertreiben, können sich einige Pflanzen als durchaus hilfreich erweisen. Rittersporn sowie Geranien sind beispielsweise giftig für kleine Käferlarven, weshalb sie sich nicht in die Nähe dieser Pflanzen begeben. Pflanzen Sie diese Blumen in einer großen Anzahl, lässt sich durchaus eine großflächige Schutzwirkung erzielen. Ungiftig, aber als nicht weniger abschreckend erweist sich Knoblauch.

Nematoden (Fadenwürmer)

Fadenwürmer sind in zahlreichen Fachgeschäften sowie online erhältlich und gelten im Hinblick auf die Bekämpfung von schädlichen Käferlarven als durchaus zuverlässig. Diese lassen sich bequem über das Gießwasser in den Boden einbringen. Daraufhin vermehren sich die Fadenwürmer und töten schließlich die Käferlarven ab. Die Wirkungsweise erfolgt hier nachhaltig und natürlich.

Natürliche Fressfeinde

Wenn es Ihnen gelingt, natürliche Fressfeinde von schädlichen Käferlarven in Ihren Garten zu locken, wird sich die Population innerhalb kürzester Zeit spürbar reduzieren. Zu den bekanntesten natürlichen Fressfeinden gehören unter anderem Maulwürfe, Spitzmäuse, Igel und Vögel. Erstere ernähren sich nicht nur von Schädlingen, sondern graben sogar noch Ihren Boden um, wodurch dieser aufgelockert wird.

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Unser Experten-Tipp:
Mit der Errichtung einer wilden Hecke im Garten lassen sich besonders gut Fressfeinde anlocken.

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THEMEN:   Insekten Nützlinge Schädlinge


Autor Carina Staiger

Über den Autor
Carina Staiger

Nach Wirtschaftsabitur und Ausbildung hat sich Carina für das Leben als freie Texterin entschieden. Mit ihrem Fachwissen zu den unterschiedlichsten Gartenthemen berät und unterhält sie unsere Leser.

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