Pflanzenwissen

Flieder pflanzen, pflegen, schneiden und vermehren

Flieder begeistert durch wunderschöne Blüten und einen angenehmen Duft. Einst als Bauernhofpflanze verrufen, ist er heute als Edelflieder und moderne Hybrid-Züchtungen in vielen Gärten zu finden. In unserem Ratgeber erfahren Sie alles über Standort, Pflege und Vermehrung des Strauchs.

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Blühender Fliederstrauch
Flieder haben auffällige Blütenstände mit vielen Blüten und verströhmen oft einen starken Duft
Inhaltsverzeichnis

Pflanzzeit

Die beste Pflanzzeit für Flieder (Syringa) liegt im Herbst zwischen September und November. Dann hat der Strauch genug Zeit zum Anwurzeln und, mit ein bisschen Glück, blüht er bereits im folgenden Frühjahr. Pflanzen Sie hingegen im Frühjahr, müssen Sie auf die Blüte im selben Jahr verzichten. Gleiches gilt für das Umpflanzen.

Standort

Unabhängig von der Sorte, wächst Flieder am besten an sonnigen Standorten. Schattigere Plätze tolerieren er, zeigt dort aber ein deutlich eingeschränkteres und lichteres Wachstum. Das beeinflusst auch die Blütenbildung, die geringer ausfällt. Für einen windigen Pflanzort eignen sich die Edel-Varianten.

Fast alle Fliedersorten wachsen am besten in einem kalk- und nährstoffreichen Lehmboden, der gern trockener sein darf. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5,5 und 7,0 betragen. Eine Ausnahme ist mit dem Preston-Flieder gegeben. Dieser bevorzugt einen leicht feuchten Boden ohne oder mit nur geringem Kalkgehalt. Empfindlich reagieren alle Flieder auf verdichtete Böden und Staunässe.

Handelt es sich um kleinwüchsige Fliedersorten, wie beispielsweise den Zwerg-Flieder, ist auch einen Platz im Kübel möglich. Hier ist eine Erde zu verwenden, die die gleiche Bedingungen erfüllt, wie im Gartenbeet. Verwenden Sie Substrat, achten Sie auf Hochwertigkeit, da minderwertiges Substrat häufig zur schnellen Verdichtung neigt.

Pflanzen

Für das Setzen von Flieder heben Sie ein Pflanzloch mit doppelt so großem Umfang wie der Wurzelballen aus. Pflanzen Sie Containerware, richtet sich die Pflanzlochgröße nach dem Topfumfang. Achten Sie auf einen Pflanzabstand, der je nach zu erwartender Wuchsbreite zwischen 1,5 und 5 Meter betragen sollte.

Die ausgehobene Erde vermengen Sie dann mit Kompost. Berechnen Sie hierzu etwa drei Liter Kompost pro Quadratmeter, den Sie dementsprechend gleichmäßig in Einbeziehung des Erdaushubs verteilen. Setzen Sie dann den Strauch ein, schließen das Pflanzloch mit Erde und gießen Sie mäßig an.

Pflegen

Weißer Flieder
Flieder gibt es in verschiedenen Farben

Gießen

Ein Syringa kommt im Gartenbeet sehr gut mit einem trockenen Boden zurecht und ist lediglich bei länger anhaltender Trockenheit mit dem Gartenschlauch oder der Gießkanne zu bewässern. Auch hier bildet der Preston-Flieder eine Ausnahme, bei dem der Boden durch ein häufigeres Gießen leicht feucht zu halten ist. An heißen Sommertagen kann dies zu einer täglichen Aufgabe werden.

Unser Experten-Tipp:
Fügen Sie der Erde ein wenig Sand hinzu. Das sorgt für eine verbesserte Wasserspeicherung.

Flieder, der in einen Kübel gepflanzt ist, besitzt ebenfalls einen höheren Wasserbedarf, weil darin die Feuchtigkeit schneller verdunstet. Sobald sich die Erdoberfläche weniger als zwei Zentimeter leicht eindrücken lässt, sollten Kübel-Flieder gegossen werden.

Düngen

Flieder gehört zu den Starkzehrern, was auf ihrem hohen Nährstoffbedarf beruht, den es durch Düngung zu decken gilt.

Der erste Düngung erfolgt frühestens sechs bis acht Wochen nach dem Einpflanzen. Es gibt zwei Düngetermine: das Frühjahr vor der Blüte und im Juni nach der Blüte. Ideal ist die Verwendung von organischem Dünger, wie beispielsweise Kompost. Kaufen Sie ein Düngemittel, achten Sie bei der Düngung im Frühjahr auf ein stickstoffarmes Produkt. Zu viel Stickstoff fördert das Wachstum grüner Pflanzenteile, was sich nachteilig auf die bevorstehende Blüte auswirkt. Optimal ist ein Dünger mit hohen Phosphor- und Kaliumgehalten.

Im Juni kann mit einem stickstoffreicheren Dünger nachgedüngt werden, um das Wachstum des Sommerlaubs zu stärken. Zusätzlich kann Kalk zum Erhalt des pH-Wertes bei allen Fliedern außer dem Preston-Flieder verabreicht werden. Dazu eignen sich beispielsweise Kaffeesatz und Eierschalen.

Schneiden

Flieder sollte zur Anregung des Triebwachstums und insbesondere der Bildung von Blütenansätzen im Juni nach der Blütenwelke geschnitten werden. So geht's:

  • schwache und abgestorbene Triebe abschneiden
  • Schnitt immer oberhalb eines Blattpaares ansetzen
  • verblühte Rispen oberhalb zwei gut ausgebildeter Seitenknospen abtrennen, fördert Bildung von neuen Knospen für das Folgejahr

Im Herbst können Sie nochmals die Garten- oder Astschere für einen Verjüngerungsschnitt ansetzen. Hierbei werden die Haupttriebe auf eine Länge zwischen 40 und 60 Zentimeter gekürzt.

Wird Ihnen Ihr Flieder zu breit und hoch, ist ein Rückschnitt zwischen Juni nach der Blüte bis Herbst möglich. Aber auch hierbei sollte beachtet werden: je umfangreicher die Kürzungen, desto mehr Blütenansätze gehen verloren.

Verfügen Sie über einen Hochstamm, gelten gleiche Schnitttechniken und Zeitpunkte, aber am Hochstamm können und sollten Sie alle Neutriebe zwischen Frühjahr und Herbst entfernen.

Überwintern

Bei der Winterfestigkeit sind Edel- und Hybrid-Flieder nicht mit dem Sommerflieder zu verwechseln. Sommerflieder friert im Winter meist zurück und ist nur bedingt winterhart. Edel- und Hybrid-Sorten weisen hingegen eine gute Winterhärte auf, weshalb es bei Pflanzung im Gartenbeet keiner besonderen Kälteschutz-Maßnahmen bedarf.

Bei Flieder im Kübel dringt die Kälte allerdings ungefiltert an die Wurzeln heran. Deshalb sollten Sie für einen Kälteschutz sorgen. Umwickeln Sie den Kübel mit isolierenden Materialien wie beispielsweise Pappe, mehrlagiger Folie oder Vlies. Auf die Erdoberfläche legen Sie eine dicke Schicht Laub, Tannennadeln, Mulch oder Stroh. Vor Bodenfrost sind die Wurzeln zu schützen, indem Sie den Kübel auf eine Holz- oder Styroporplatte stellen.

Vermehren

Fliederstrauch im Garten
Ein Fliederstrauch im Garten ist immer ein Hingucker

Aussaat

Im Oktober enthalten die getrockneten Fruchtstände die Samen für eine Aussaat. Allerdings dürfen Sie zuvor die verwelkten Blüten nicht abschneiden, damit sie vollständig heranreifen können. Schneiden Sie die Fruchtstände ab, wenn sich braune, trockene Samenkapseln zeigen und schütteln Sie die Samen kopfüber über einem großen Behältnis heraus. Anschließend können Sie die Fliedersaat von anderen herabgefallenen Pflanzenteilen durch ein Sieben trennen.

Die Samen von Flieder sind Kalt- und Dunkelkeimer, weshalb sie für zwei bis vier Wochen einer Temperatur zwischen 8 und 12 Grad Celsius ausgesetzt werden müssen. Wichtig ist, dass die Samen nach dem Kälteeinfluss vollständig abgedeckt werden, damit die Keimung angeregt wird. Am besten keimen die Samen in einem unbeheizten Raum. Im Frühjahr werden Sie pikiert und können als Jungpflanzen raus ins Beet.

Wurzelausläufer

Die Vermehrung von Flieder mittels Wurzelausläufer ist die einfachste und erfolgversprechendste Methode. Im Ergebnis lassen sich dadurch in der Regel aber lediglich Wildarten heranziehen. Selbst, wenn Sie einen wurzelechten Edel-Flieder als Mutterpflanze wählen, der häufig aber auch über weniger Ausläufer verfügt.

Ein deutlich umfangreicheres Angebot an Wurzelausläufern erhalten Sie von Wildarten wie beispielsweise dem Gewöhnlichen Flieder (Syringa vulgaris). Im Herbst oder Frühjahr stechen Sie mit einem Spaten einen kräftigen Wurzelausläufer ab und pflanzen ihn am gewünschten Standort ein.

Stecklinge

Zwerg-Flieder sind ausschließlich über Stecklinge zu vermehren. Aber auch Gemeiner Flieder (Syringa vulgaris), Chinesischer Flieder (Syringa chinensis), Ungarischer Flieder (Syringa josikaea) und Bogen-Flieder (Syringa reflexa) lassen sich auf diese Art vermehren. Weniger erfolgversprechend ist diese Methode bei Edel-Flieder. Im Durchschnitt bilden sich von zehn Stecklingen lediglich an einem Wurzeln. Der beste Zeitpunkt für die Stecklingsvermehrung ist während der Blütezeit zwischen Mai und Juni.

Schneiden Sie einen etwa 20 Zentimeter langen Kopfsteckling ab, der nicht verholzt sein darf und keine Blüten aufweist. Die Ast- oder Gartenschere setzen Sie unter einem Blattknoten an. Anschließend sind die Blätter im unteren Stecklingsbereich sowie eventuelle Knospen zu entfernen. Schneiden Sie ein etwa zwei Zentimeter langes, dünnes Rindenstück ab, um die Verwurzelung zu fördern. Jetzt geht es in die Erde, die bis zum sichtbaren Neuaustrieb kontinuierlich feucht zu halten ist.

THEMEN:   Pflanzenpflege Sträucher


Autor Frank Gerlach

Über den Autor
Frank Gerlach

Als gelernter Landschaftsgärtner hat Frank ein Faible für nützliche Gartengeräte aller Art. Daher testet und schreibt er für sein Leben gern über Rasenmäher, Heckenscheren und Co. Seine Ideen im Landschaftsbau sind ausgezeichnet.

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