Anzucht

Gemüse, Kräuter und Blumen vorziehen

Die Gartensaison beginnt für die meisten Gemüse- und Kräuterpflanzen sowie Blumen ab Mai. So lange müssen Hobbygärtner aber nicht warten, denn viele Pflanzen lassen sich bereits im Frühjahr drinnen vorziehen. Wir verraten Ihnen, welche Vorteile das hat und wie es genau funktioniert.

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Pflanzen vorziehen: Tomaten-Setzling in Anzuchterde
In Anzuchttöpfen mit frischer Anzuchterde wachsen junge Setzlinge heran, die später ins Freiland gepflanzt werden
Inhaltsverzeichnis

Welche Vorteile hat die Vorzucht von Pflanzen?

Häufig ist es im zeitigen Frühjahr noch zu kalt, um Samen ins Garten- oder Gemüsebeet zu bringen. Durch das Vorziehen können viele Pflanzen hingegen bereits gedeihen und werden dann als Jungpflanzen ins Freie gesetzt, sobald es die Temperaturen erlauben. Dadurch erspart man sich die Zeit, die ansonsten für die Keimung und das Heranwachsen nötig wäre. Blumen, Gemüse und Kräuter sind dann deutlich früher entwickelt. Vor allem für den Selbstanbau profitieren Sie auf diese Weise von einer verlängerten Anbausaison.

Ein weiterer Vorteil ist die bessere Keimung. Während die Samen im Gartenbeet der Witterung sowie tierischen Gartenbesuchern ausgesetzt sind, können Sie bei der Vorzucht konstante ideale Bedingungen schaffen. Deshalb sind die Chancen des Angehens und der Keimung bei der Vorzucht deutlich höher als bei der Aussaat im Freien. Außerdem sparen Sie bares Geld mit der Pflanzen-Vorzucht, da Jungpflanzen deutlich teurer sind.

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Welche Gemüsepflanzen lassen sich vorziehen?

Pflanzen-Vorzucht in einem Gewächshaus
Junge Pflanzen lassen sich zuerst auf der Fensterbank und anschließend im Gewächshaus vorziehen

Bei den meisten Gemüsesorten kann das Vorziehen ab März erfolgen. Lediglich bei Pflanzen mit langer Keimdauer, wie beispielsweise Auberginen, Chili, Peperonis oder Paprika empfiehlt sich eine Vorzucht bereits ab Ende Februar. Auch Tomaten bilden eine Ausnahme, bei denen bis Anfang April gewartet werden kann. Weitere Gemüsepflanzen, bei denen sich eine Vorzug anbietet:

  • Gurken
  • Kartoffeln
  • Physalis
  • Zucchinis

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Welche Kräuter sind zur Vorzucht geeignet?

Besitzen Sie bereits mehrjährige Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Minze, Estragon oder Oregano, können Sie diese durch Stecklinge recht einfach vermehren. Gleiches gilt für Thymian oder mehrähriges Bohnenkraut. Natürlich ist auch eine Aufzucht aus Samen möglich, die später nach draußen gepflanzt werden können.

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Welche Blumen eignen sich zum Vorziehen?

Anzuchttöpfe aus Eierkarton
Eine Alternative zu teuren Anzuchttöpfen stellen mit Anzuchterde gefüllte Eierkartons dar

Viele Sommerblumen sind kälteempfindlich und können erst nach den Eisheiligen nach draußen gepflanzt werden. Sie lassen sich als Samen oder Knolle aber schon im Winter vorziehen. Einige Arten können zudem über Stecklinge vermehrt werden, die von überwinterten Pflanzen abgeschnitten wurden. Dazu zählen beispielsweise Geranien oder Fuchsien. Folgende Blumen lassen sich beispielsweise gut vorziehen:

  • Bartnelken
  • Dahlien
  • Fleißiges Lieschen
  • Löwenmäulchen
  • Mädchenauge
  • Männertreu
  • Nelken
  • Schmuckkörbchen
  • Sommerastern

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Welche Pflanzen sind eher ungeeignet?

Nicht für die Vorzucht geeignet sind beispielsweise Bohnen, Erbsen, Mangold, Mohrrüben und Radieschen sowie alle Kohlarten. Bei einigen Kräutern ist aufgrund von schnellem Wachstums eine Vorzug nicht erforderlich, aber dennoch möglich. Dazu zählen unter anderem Dill, Koriander, Petersilie und Schnittlauch.

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Wann ist der beste Zeitpunkt zum Vorziehen?

Das kommt auf die jeweilige Pflanzenart an. Einige benötiger weniger Zeit von der Keimung bis hin zur Jungpflanze, andere mehr. Letzteres ist zum Beispiel bei Auberginen und Peperonis der Fall, weshalb diese gern bereits im Februar vorgezogen werden. Bei Tomaten sollten Sie nicht länger als vier Wochen vor dem Aussaattermin im Freiland mit dem Vorziehen beginnen. Zucchinis und Kürbisse werden in der Regel ab Anfang / Mitte April vorgezogen, da die Keimung schnell erfolgt.

Auf der Samenverpackung gibt es in der Regel Herstellerangaben, an die Sie sich halten können. Zu beachten ist, dass stets viel Licht benötigt wird. Werden Pflanzen zu früh vorgezogen und erhalten nicht ausreichend Licht, vergeilen sie. Das heißt, sie schießen in die Höhe, lange, weiche Blätter bilden sich und das Risiko von Schimmel- und Lausbefall steigt. Darunter leidet die Blüten- und Fruchtbildung.

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Wie funktioniert das Vorziehen von Pflanzen?

Gemüse vorziehen
Nach dem Vorziehen lassen sich die jungen Pflanzen direkt ins Beet pflanzen

Bei der Vorzucht ist nicht viel anders vorzugehen, als bei der Aussaat im Beet. Allerdings sollten Sie die Entwicklung immer im Auge behalten, um schnell eingreifen zu können, wenn sich Probleme zeigen. Mit der folgenden Anleitung gelingt das Vorziehen problemlos:

Anzuchtbehältnis

Für die Samen benötigen Sie ein geeignetes Behältnis. Im Handel sind spezielle Anzuchtkästen erhältlich, die für eine optimale Licht und Sauerstoffversorgung sorgen. Als Alternative bieten sich Eierkartons an. Wichtig ist, dass ein Abzugsloch am Boden vorhanden ist, damit überschüssige Feuchtigkeit entweichen kann. Sonst droht Schimmelgefahr. Bevor Sie Erde einfüllen, sind die Behältnisse gründlich zu reinigen, damit Bakterien und andere Keime keinen Schaden anrichten können.

Anzuchterde

Grundsätzlich erfolgt die Aussaat in nährstoffarmer Erde. Es gibt spezielle Anzuchterde, die auf die Ansprüche der jeweiligen Pflanzensamen abgestimmt ist. Sie können auch normales Substrat verwenden, wenn es nährstoffarm ist und über eine feine Struktur verfügt. Da dies bei herkömmlicher Blumenerde meist nicht gegeben ist, eignet sich diese nicht.

Erde einfüllen

Im dritten Schritt befüllen Sie die Anzuchtbehältnisse mit der passenden Erde etwa zu drei Viertel. Drücken Sie die Erde nicht an, denn dadurch verdichtet sie sich, Wasser fließt schlechter ab und die Keimung hat es schwerer, sich Platz zu schaffen.

Samentiefe

Es gibt eine "Faustformel", die von erfahrenen Gärtnern stammt: Große Samen tiefer in die Erde - kleine Samen geringe Tiefe. Über große Samen verfügen beispielsweise Zucchinis und Kürbisse, während Tomaten- und Paprikasamen recht klein sind.

Zudem sollte berücksichtigt werden, dass es Licht- und Dunkelkeimer gibt. Lichtkeimer liegen immer dicht an der Erdoberfläche und werden nicht mit Erde bedeckt, da sie Licht zum Keimen benötigen. Dunkelkeimer werden in die Erde gedrückt und mit Erde bedeckt, weil sie nur im Dunkel keimen. Informieren Sie deshalb vorab, ob es sich bei Ihren Samen um Licht- oder Dunkelkeimer handelt.

Standortwahl

Spätestens nach der Keimung brauchen alle vorgezogenen Pflänzchen einen hellen Standort. Ideal ist die Fensterbank. Gibt die Jahreszeit noch nicht viel Tageslicht her, sollten Sie sich eine Pflanzenlampe anschaffen, die für das erforderliche Licht sorgt. Auch ein Gewächshaus ist geeignet, sofern es beheizt oder zumindest frostfrei ist.

Konstante Feuchtigkeit

Haben Sie den Samen verteilt, ist die Erde anzugießen. Dazu eignet sich am besten ein Besprühen mit einem breiten, sanften Wasserdruck, damit der Samen nicht weggeschwemmt wird. Achten Sie darauf, dass die Erde immer nur leicht feucht ist - und dies kontinuierlich. Sie darf nicht austrocknen.

Weniger Gießaufwand haben Sie, wenn Sie nach der Aussaat eine lichtdurchlässige Folie über die Anzuchtbehältnisse spannen. Diese hält die Feuchtigkeit hoch. Stechen Sie ein paar kleine Löcher in die Folie, damit ein Sauerstoffaustausch gewährleistet ist. Dennoch sollten Sie täglich die Folie zur Lüftung und gegebenenfalls zum Nachgießen anheben. Sprießt das erste Blättchen aus der Erde, entfernen Sie die Folie wieder.

Pikieren

Haben die jungen Pflanzen eine Wuchshöhe von etwa fünf Zentimeter erreicht, sind sie zu pikieren. Dafür setzen Sie einen Pikierstab, mit dem Sie einzelnen Wurzeln aus der Erde heben und somit eine Vereinzelung mehrerer aneinander gewachsenen Exemplare vornehmen. Jedes Pflänzchen erhält nun seinen eigenen Topf. Ab jetzt ist das Bewässern zu reduzieren. Gegossen wird nur noch, wenn sich die Erdoberfläche weniger als zwei Zentimeter eindrücken lässt.

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Wann werden vorgezogene Pflanzen ins Freiland gesetzt?

Pflanzen vorziehen
Vorgezogene Jungpflanzen lassen sich später ins Freiland oder in Blumentöpfe pflanzen

Ist die Vorzucht kräftig herangewachsen und erlaubt das Wetter und vor allem die Außentemperaturen ein Raussetzen, sollten Sie vorsichtig mit einer Gewöhnung beginnen. Es handelt sich um Jungpflanzen, für die der Wechsel von Temperatur, Erde und Licht purer Stress bedeutet. Stellen Sie die Pflänzchen deshalb vorher einige Male nach draußen, bevor sie ganz umziehen.

Der früheste Zeitpunkt zum Auspflanzen ist etwa Mitte April. Allerdings sollten Sie dies vom Wetter abhängig machen, da bis zu den Eisheiligen Mitte Mai noch Nachtfröste möglich sind. Bei besonders frostempfindliche Jungpflanzen empfiehlt sich bis dahin eine Abdeckung mit einem Frühbeetfenster. Alternativ können Sie bei der früheren Freilandpflanzung ein Pflanzenvlies darüberlegen. Beides dient dem Kälteschutz.

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THEMEN:   Blumen Gemüse Kräuter Pflanzenpflege


Autor Romina Seilnacht

Über den Autor
Romina Seilnacht

Auf mein-gartenexperte.de kann Romina als gelernte Gärtnerin ihre Vorlieben für Garten, Pflanzen und Fotografie vereinen und unseren Lesern mit hilfreichen und interessanten Ratgebern die Gartenarbeit erleichtern.

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