Gemüseanbau

Artischocken pflanzen: Aussaat, Pflege und Ernte

Je nach Sorte fällt der Geschmack von Artischocken süßlich bis zartbitter-nussig aus. In unserem Ratgeber erfahren Sie alles über Aussaat, Pflege, Überwinterung und Ernte des beliebten Gemüses.

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Artischockenknospe
Artischocken besitzen große, auffällige Knospen, die essbar sind
Inhaltsverzeichnis

Zeitpunkt

Artischocken (Cynara) werden in der Regel vorgezogen, da sie eine recht lange Reifezeit besitzen. Ab Mitte Januar bis in den April erfolgt die Vorzucht beispielsweise auf der warmen Fensterbank oder im Gewächshaus. Soll die Aussaat direkt ins Beet, ist dies erst Mitte Mai nach den Eisheiligen zu erledigen, wenn kein Frost mehr zu befürchten ist. Ob es dann noch mit der Ernte im laufenden Jahr klappt, hängt von der Witterung und den Standortbedingungen ab. Haben Sie eine Jungpflanze, liegt der beste Pflanztermin ebenfalls im Mai ab den Eisheiligen.

Standort

Der ideale Standort für Artischocken im Beet ist vollsonnig bis sonnig und windgeschützt. Der Boden sollte nährstoff- und humusreich sowie locker und gut durchlässig sein. Schwerer Lehmboden ist ungeeignet. Zudem sollte der Standort über ein ausreichend großes Platzangebot verfügen, weil Artischocken Höhen bis zu zwei Metern und einen Umfang bis zu 1,5 Meter erreichen können.

Aussaat und Pflanzen

Junge Artischocke
Artischocken gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum

Die Aussaat erfolgt in einem Anzuchtkasten oder einer Saatkiste, die mit lockerer, humoser Erde zu befüllen sind. Ideal ist es, die Samen vor der Aussaat zwei bis drei Stunden in Wasser aufweichen zu lassen. Anschließend werden sie mindestens ein bis zwei Zentimeter tief in die Erde gedrückt und mit Erde bedeckt, da sie Dunkelkeimer sind.

Der Samenabstand sollte 3 mal 3 Zentimeter nicht unterschreiten. Für die Keimung benötigen sie eine Temperatur zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Die Keimdauer liegt zwischen 15 und 20 Tagen. Haben sich erste Blätter entwickelt, sind die Sämlinge zu pikieren und in kleine Töpfe zu setzen. Die zwei schwächsten Exemplare können entsorgt werden, weil sie kaum eine Chance auf ein kräftiges Wachstum besitzen. Die Anzucht wird nur mit dem stärksten Sämling weiter fortgeführt. Ab Mitte Mai können diese dann ins Freie gesetzt werden.

Bei Direktaussaat ins Beet sind drei Samen pro Quadratmeter mittig, aber mit einigen Zentimetern Abstand zueinander zu säen. Auch hier entfernen Sie nach der ersten Blattentwicklung die beiden schwächeren Exemplare auf jedem Quadratmeter. Der Vorteil bei der Direktaussaat liegt darin, dass Sie die Jungpflänzchen nicht pikieren und umzupflanzen müssen.

Anpflanzen

Da Artischocken Starkzehrer sind, sollten Sie vorbereitend reifen Kompost in die Erde einarbeiten. Kalkulieren Sie mit drei bis fünf Liter Kompost pro Quadratmeter.

Für das Pflanzen von Artischocken wird ein Pflanzloch mit einem Spaten ausgehoben, das über einen doppelt so großen Umfang wie die Wurzeln verfügt. Die Tiefe ist so zu wählen, dass die Wurzeln nicht abknicken. Pro Quadratmeter kann eine Pflanze gesetzt werden. Der ausgehobenen Erde fügen Sie nochmals etwas Kompost bei, bevor sie damit das Pflanzloch zuschütten. Abschließend gießen Sie die Jungpflanzen kräftig an.

Weil die Pflanzen im ersten Standjahr den Platz noch nicht vollständig ausnutzen, können Sie in die Zwischenräume andere Pflanzen wie beispielsweise Sonnenblumen oder Radieschen pflanzen.

Pflege

Braune, erntereife Artischocke
Artischocken sind erntereif, wenn die Blütenköpfe noch kompakt und fest sind und sich die Blütenspitzen bräunlich verfärben

Bodenbearbeitung

Entfernen Sie regelmäßig Unkraut aus dem Artischockenbeet. Lockern Sie den Boden je nach Beschaffenheit in kurzen Abständen mit einem Rechen bzw. einer Harke auf. Das ist erforderlich, um eine gute Wasserdurchlässigkeit zu gewährleisten und einer Verdichtung des Bodens vorzubeugen.

Gießen

Die Wurzeln von Artischocken mögen ein leicht feuchtes Erdreich. Die Erdoberfläche darf ruhig antrocknen, sollte aber nie stark austrocknen. Empfehlenswert ist ein häufigeres Gießen von kleinen Wassermengen anstatt langgezogene Gießintervalle mit hohen Wassermengen. Vermeiden Sie Staunässe, da sie schnell zu einer Wurzelfäule führen kann.

Düngen

Artischocken sind als Starkzehrer auf Dünger angewiesen. Im Frühjahr vor dem ersten Austrieb verabreichen Sie am besten einen phosphor- und kali-betonten Fertigdünger. Alternativ können Sie auch Hühnermist-Pellets oder Kompost in Kombination mit Holzasche als Dünger verwenden. Eine Schaufel pro Komponente und Pflanze ist ausreichend.

Im weiteren Verlauf ist die Gabe von handelsüblichem Gemüse-Flüssigdünger angeraten, der alle vier bis fünf Wochen mit dem Gießwasser zugeführt wird. Hier können Sie alternativ im Sommer auch nochmals Kompost einarbeiten. Später als August sollte dies nicht geschehen, damit das Herunterfahren des Stoffwechsels für die bevorstehende Wintersaison nicht gestört wird.

Schneiden

Artischocken werden in der Regel nicht geschnitten. Eine grundsätzliche Ausnahme liegt nur zur Wintervorbereitung vor. Dann sind die Blütenstängel kurz über dem Boden abzutrennen. Sollten sich braune Blätter bilden, können Sie diese ebenfalls mit der Gartenschere entfernen.

Überwinterung

Artischocken sind überwiegend frostfest, brauchen aber trotzdem einen Kälteschutz. Schneiden Sie im Oktober die Blütenstängel in Bodennähe ab und binden Sie große Blätter zusammen. Legen Sie zudem eine dicke Schicht aus Stroh, Laub oder Tannennadeln auf die Erdoberfläche. Stellen Sie Reisig oder Ähnliches zeltförmig um die oberirdischen Pflanzenteile.

Sollten Sie eine Artischocke in einem entsprechend großen Kübel anbauen, was aufgrund des immensen Wachstums unüblich ist, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Umwickeln Sie den Kübel zusätzlich zur Erdabdeckung mit Folie oder Vlies und stellen Sie diesen auf einen isolierenden Untergrund wie beispielsweise eine Styropor- oder Holzplatte. Ein Umstellen an einen windgeschützen Standort ist ebenfalls sinnvoll. Ab Mitte April ist der Kälteschutz wieder zu entfernen und die Kübelpflanze gegebenenfalls wieder an den gewohnten Platz zu platzieren.

Ernte

Blühende Artischocke
Wurde der Erntezeitpunkt verpasst, kommt es zu einer schönen Blütenpracht

Haben Sie frühzeitig ausgesät oder eine Jungpflanze Mitte Mai eingepflanzt, dürfen Sie sich auf eine erste Ernte im September / Oktober freuen. Ab dem zweiten Pflanzjahr beginnt die Erntezeit schon im Juni oder Juli und reicht bis in den September hinein.

Der richtige Erntezeitpunkt ist gekommen, wenn noch enganliegende Schuppenblätter vorliegen und sich diese noch nicht violett verfärbt haben. Die Knospen sind noch fest verschlossen und die Blattspitzen weisen keine braunen Verfärbungen auf. Es kann ein Ernteertrag von bis zu zwölf Blütenknospen erreicht werden. Diese werden einfach mit der Gartenschere oder einem scharfen Messer abgeschnitten. Beginnen Sie mit der Ernte immer an den oberen Triebspitzen, da diese durch den ungestörten Licht- und Sonneneinfluss meist zuerst die Erntereife erreichen. Im unteren Bereich sollte deshalb zuletzt geerntet werden.

Haben Sie sich Deckblätter bereits geöffnet und lila verfärbt, sind die Artischocken nicht mehr essbar. Die Knospen werden zäh und ungenießbar. Verzichten Sie in dem Fall auf ein Abschneiden, denn daraus entwickeln sich dann schöne blaue Blüten, die auch bei Insekten sehr beliebt sind.

THEMEN:   Beet Gemüse Pflanzenpflege


Autor Frank Gerlach

Über den Autor
Frank Gerlach

Als gelernter Landschaftsgärtner hat Frank ein Faible für nützliche Gartengeräte aller Art. Daher testet und schreibt er für sein Leben gern über Rasenmäher, Heckenscheren und Co. Seine Ideen im Landschaftsbau sind ausgezeichnet.

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